Standortpolitik

BIHK-Konjunkturindex: Die bayerische Wirtschaft erholt sich

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Bau – die Branche rechnet bald mit weniger Aufträgen

Bayerns Wirtschaft hat viel ‎vom drastischen Einbruch im ‎Frühjahr 2020 aufgeholt. Doch anhaltende Pandemie-‎Beschränkungen, Strukturwandel und Unsicherheit verlangsamen die weitere Erholung.‎

Ausgabe 11/20

Der erste Schock ist überwunden. Nach dem Lockdown und dem coronabedingten Absturz im Frühjahr hat sich die bayerische Wirtschaft schneller als erwartet erholt. Das zeigt der aktuelle BIHK-Konjunkturindex, für den regelmäßig rund 4.000 Unternehmen im Freistaat zu ihrer aktuellen Geschäftslage und ihren künftigen Erwartungen befragt werden. Seit der letzten Umfrage ist das Stimmungsbarometer von 81 auf 107 Punkte gestiegen und hat damit 70 Prozent des Coronaeinbruchs wettgemacht. Nun allerdings lässt das Tempo der Erholung nach. Zwar haben die Unternehmen ihre Geschäftserwartungen von – 20 auf + 5 Punkte sehr kräftig angehoben. Verglichen mit früheren Phasen nach Rezessionen, liegt dieser Saldo jedoch auf einem niedrigen Niveau. Die Geschäftstätigkeit wird ihr Vor-Corona-Level daher wohl frühestens 2022 erreichen.

Für die nachlassende Wachstumsdynamik gibt es mehrere Gründe: Anhaltende Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie beeinträchtigen die Geschäftstätigkeit in einzelnen Sparten wie etwa der Kulturwirtschaft weiterhin stark. Andere Branchen haben mit einem Strukturwandel zu kämpfen, so wie zum Beispiel die Automobilhersteller und ihre Zulieferer mit der Abkehr vom Verbrennungsmotor. Darüber hinaus herrscht große Unsicherheit nicht nur in Bezug auf den weiteren Fortgang der Pandemie, sondern auch im Hinblick auf die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.

Kritische Situationen für mehrere Branchen

Hier gehören zu den Risikofaktoren unter anderem der Brexit sowie der schwelende Handelsstreit zwischen China, den USA und der EU. Am stärksten leidet unter den Auswirkungen der Pandemie – neben der Kultur- und Kreativwirtschaft – der bayerische Tourismus. Jedes zweite Unternehmen der Branche bewertet seine aktuelle Lage als »schlecht«. Besonders kritisch ist die Situation der Reisebüros und -veranstalter. Die Tourismusbetriebe haben zudem wenig Hoffnung, dass sich in den kommenden Monaten ihre Lage verbessern wird.

Das Hotel- und Gastgewerbe geht sogar von einer erneuten Eintrübung aus. Daher wollen 40 Prozent der Betreiber von Hotels und Gaststätten Personal abbauen. Im Vergleich dazu laufen die Geschäfte im Handel insgesamt ordentlich, die Unternehmen rechnen mit einer stabilen Entwicklung in den kommenden Monaten. Allerdings ist die Entwicklung zweigeteilt: Während der Onlinehandel profitiert, verliert der stationäre Handel. Die Pandemie hat den Umbruch in der Branche spürbar beschleunigt.

»Erholung stützen und den Strukturwandel fördern«

Der Höhenflug des Baugewerbes wiederum scheint auszulaufen. Im Frühjahr profitierten die Unternehmen noch von ihren vollen Auftragsbüchern. Jetzt scheint sich die Geschäftslage auf einem niedrigeren Niveau einzupendeln. Die Betriebe blicken zudem vergleichsweise skeptisch auf die kommenden Monate und rechnen mit weniger Aufträgen im Bereich des Wirtschaftsbaus und der öffentlichen Hand. »Die Wirtschaftspolitik muss die Erholung stützen und den Strukturwandel fördern«, fordert Robert Obermeier, Chefvolkswirt der IHK für München und Oberbayern.

Dabei sollte das Motto gelten: Veränderung belohnen, nicht den Stillstand. »Damit die Unternehmen den notwendigen Wandel gestalten können, müssen sie ihre Einbußen beim Eigenkapital möglichst schnell ausgleichen können«, ergänzt Obermeier. Hierzu sollten die Steuern auf einbehaltene Gewinne gesenkt und der Verlustrücktrag ausgeweitet werden.

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