Standortpolitik

BIHK-Konjunkturumfrage: Unternehmen zur Geschäftslage

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Einkaufslaune steigt – die Einzelhändler werden optimistischer

Die Stimmung in der bayerischen Wirtschaft hat sich merklich aufgehellt. Allerdings machen den Unternehmen der Fachkräftemangel und fehlende Materialien zu schaffen.

Nadja Matthes, Ausgabe 11/2021

In der Gastronomie gibt es keine Coronasperrstunde mehr, im Handel ist die Obergrenze für Kunden je nach Quadratmeterzahl gefallen. Auch Veranstaltungen sind wieder in größerem Rahmen möglich. Solche Lockerungen der Coronabeschränkungen haben die Laune vieler Unternehmer spürbar gehoben. Die Stimmung in der bayerischen Wirtschaft ist derzeit sogar noch besser als vor der Pandemie. Das zeigt der aktuelle BIHK-Konjunkturindex, für den regelmäßig rund 3700 Unternehmen im Freistaat Auskunft über ihre aktuelle Geschäftslage und ihre Erwartungen für die Zukunft geben. Seit der letzten Umfrage im Frühjahr ist der Index von 114 auf 128 Punkte gestiegen, das ist der höchste Wert seit Jahresbeginn 2019. Doch trotz starker Nachfrage und voller Auftragsbücher können die Betriebe ihre Produktion nicht entsprechend hochfahren, weil entscheidende Faktoren nicht ausreichend vorhanden sind.

Entweder knapp oder teuer

Fast 60 Prozent der Unternehmen leiden unter Materialengpässen. Sind Rohstoffe und Vorprodukte lieferbar, haben sie sich häufig verteuert. Von steigenden Preisen berichten knapp 70 Prozent der Firmen. Hinzu kommt fehlendes Personal. Mehr als die Hälfte der Unternehmen haben offene Stellen, die sie nicht besetzen können. Der Fachkräftemangel ist aus Sicht der Unternehmen auch das größte Geschäftsrisiko, gefolgt von der Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise.

Der Blick auf die einzelnen Branchen zeigt einige Verschiebungen im Vergleich zum Frühjahr. Während die Industrie vor einem halben Jahr das Wachstum der Wirtschaft angetrieben hat, wird sie nun durch Beschaffungsprobleme behindert. Fast alle Unternehmen (92 Prozent) sehen sich durch Preissteigerungen beeinträchtigt, 85 Prozent leiden unter Materialknappheit.

Starke Unterschiede je nach Branche

Umgekehrt sieht es in den Branchen, die durch Lockdown und andere Einschränkungen besonders betroffen waren, deutlich besser aus: Der Einzelhandel profitiert von einer starken Nachfrage, die Geschäfte laufen derzeit ähnlich gut wie vor der Pandemie. Im Tourismus sind die Betriebe ebenfalls wieder optimistischer, nachdem die coronabedingten Beschränkungen gelockert wurden. Allerdings liegt das Vor-Corona-Niveau noch in weiter Ferne. Im Hinblick auf die Finanzstärke der Betriebe gibt es gute Nachrichten.

Hier hat sich die Situation deutlich verbessert. 58 Prozent der Unternehmen schätzen ihre Liquidität inzwischen als gut ein, nur zwei Prozent berichten von einer existenzbedrohenden Lage. Anzeichen für eine aufkommende Insolvenzwelle sind nicht erkennbar. Lediglich acht Prozent der Unternehmen klagen über höhere Forderungsausfälle als üblich.

Für bessere steuerliche Abschreibungsregeln

Insgesamt sind die Perspektiven für die bayerische Wirtschaft also durchaus positiv. Die Unternehmen rechnen mit einer robusten Nachfrage. Um sie bedienen zu können und außerdem den Umbau zu einer nachhaltigen Wirtschaft voranzutreiben, wollen sie investieren und Personal einstellen.

Angesichts der vielen Unsicherheitsherde brauche die Wirtschaft aber schnell eine stabile und handlungsfähige Regierung, betont Robert Obermeier, Chefvolkswirt der IHK für München und Oberbayern. »Der Schlüssel für den Umbau zu einer nachhaltigeren Wirtschaft sind private Investitionen, für die es bessere steuerliche Abschreibungsregeln braucht.« Ferner müssten für die Wirtschaft Steuern und Abgaben auf den Strompreis gesenkt, Planungs- und Genehmigungsverfahren – insbesondere für den Ausbau der Stromnetze und erneuerbarer Energien – massiv beschleunigt und die Verwaltung digitalisiert werden.

Mit Blick auf die Lieferengpässe und Preissteigerungen fordert Obermeier: »Die Politik sollte mit wettbewerbsfähigen Standortbedingungen dazu beitragen, dass Produktionskapazitäten hierzulande aufgebaut werden, die Abhängigkeit vom Ausland reduziert und das Wachstum gestärkt wird.«

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