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Aufschwung in Sicht – Programme unterstützen Firmen in der Coronakrise

Wegen der andauernden Krise wurden die Eigenkapitalprogramme des Freistaats Bayern verlängert. Was sie bieten und für welche Unternehmen sie infrage kommen.

Sabine Hölper, Ausgabe 10/2021

Das Münchner Unternehmen Miomente GmbH vermittelt seit elf Jahren sogenannte Genuss-Events. Rund 1400 verschiedene Veranstaltungen vom Thai-Kochkurs bis zur Gin-Verkostung hatte Miomente im Programm. Doch dann kam Corona und damit der totale Einbruch. »Im März 2020 mussten wir alle Veranstaltungen stornieren«, sagt Geschäftsführerin Sabine Engel (35). Im Sommer fanden vorübergehend vereinzelte Events unter freiem Himmel statt, im November hieß es erneut: Nichts geht mehr.

»Wir hatten null Umsatz und unsere 400 Partner, mit denen wir die Veranstaltungen durchführen, waren ebenso stark betroffen«, sagt Engel. Gemeinsam mit ihrem Geschäftsführer-Kollegen Michael Kowalzik arbeitete sie an einer Lösung: Seit April 2020 stellten sie ihr Angebot schrittweise erfolgreich auf Online-Events um. Um die Neuausrichtung des Geschäftsmodells finanzieren und die Umsatzausfälle teilweise kompensieren zu können, hat das Unternehmen den »Eigenkapitalschild Mittelstand Bayern« in Anspruch genommen: Die Bayerische Beteiligungsgesellschaft mbH (BayBG) ist mit einer stillen Beteiligung in Höhe eines mittleren sechsstelligen Betrags eingestiegen.

Der Eigenkapitalschild Mittelstand Bayern ist eines von mehreren Eigenkapitalprogrammen des Freistaats, die Unternehmen in der Coronakrise unterstützen. Ein Weiteres ist das Startup Shield Bayern. Mit beiden Förderinstrumenten setzt die Bayerische Staatsregierung die sogenannte Säule II des 2-Milliarden-Euro-Maßnahmenpakets für kleine Mittelständler und Start-ups um. Insgesamt 75 Millionen Euro wurden zur Verfügung gestellt. Seit dem Start im August 2020 wurden 55 Millionen Euro genehmigt beziehungsweise ausgezahlt.

Verschiedene Zielgruppen

Die Programme sind jetzt im September mit verbesserten Bedingungen bis Jahresende verlängert worden. Beide Programme werden von der BayBG angeboten. Beim Startup Shield Bayern ist zusätzlich die Bayern Kapital GmbH im Boot.

Während der Eigenkapitalschild etablierten Mittelständlern, die durch die Coronakrise in Liquiditätsschwierigkeiten geraten sind, Mezzanine-Beteiligungen anbietet, wendet sich der Startup Shield Bayern an junge, technologieorientierte Firmen mit Liquiditätsschwierigkeiten. Sie können mit diesem Programm sowohl Wandeldarlehen als auch direktes Eigenkapital erhalten.

Start-ups und Mittelständler können nun bei erstmaliger Beantragung bis zu eine Million Euro bekommen. Bei bereits bestehenden Engagements können die Beteiligungen auf bis zu 1,8 Millionen Euro aufgestockt werden. Es werden Investitionen, Betriebsmittel, ebenso laufende Kosten wie Miete oder Gehälter (mit)finanziert.

Schlechtere Eigenkapitalausstattung

Die IHK für München und Oberbayern begrüßt, dass beide Programme Eigenkapital zur Verfügung stellen. Denn seit Beginn der Pandemie ist die Wirtschaft auf Talfahrt, die Eigenkapitalausstattung ist zurückgegangen. Gerade kleinere Firmen haben laut einer ifo-Studie damit zu kämpfen. Das ist problematisch, da eine niedrige Eigenkapitalquote die Bonität schwächt und das Insolvenzrisiko erhöht. »Ist das Eigenkapital aufgebraucht, ist es anschließend schwer, einen Kredit zu erhalten«, sagt Nicole Kleber, IHK-Referentin Finanz- und Kreditwirtschaft. Daher seien die Programme zur Stärkung der Eigenkapitalsituation ein adäquater Hebel, damit die Firmen die Krise überstehen können. Die IHK fordert aber darüber hinaus zum Beispiel auch die Ausweitung des steuerlichen Verlustrücktrags auf mindestens drei Jahre.

Die Voraussetzungen

Um die Programme in Anspruch nehmen zu können, müssen Unternehmen diverse Voraussetzungen erfüllen. Für beide Förderungen gilt: Der Gruppenumsatz des Unternehmens darf am 31. Dezember 2019 nicht mehr als 75 Millionen Euro betragen haben. Zum gleichen Stichtag darf das Unternehmen noch nicht in Schwierigkeiten gewesen sein. Entsprechend muss der Liquiditätsbedarf infolge der Coronapandemie entstanden sein.

Hinzu kommt: Das Unternehmen hat den Schwerpunkt seiner Geschäftstätigkeit oder mindestens 50 Prozent der Vollzeitbeschäftigten in Bayern. Beim Startup Shield Bayern kommt hinzu: Berechtigt sind Start-ups, die keinen Zugriff auf die Corona Matching Fazilität der sogenannten Säule I haben. Ferner muss das Unternehmen seit mindestens 1. Oktober 2019 am Markt sein.

Vor allem aber muss das Unternehmen Produkte mit einem hohen Innovationsgrad entwickeln, das Geschäftsmodell skalierbar sein und nachhaltige Marktchancen besitzen. Die Gründer sind daher in der Pflicht, ein tragfähiges Konzept, ihre eigene fachliche Qualifikation, eine angemessene Eigenmittelausstattung, insbesondere im Verhältnis zur Höhe der angestrebten Beteiligung, sowie eine persönliche Garantie des Inhabers oder Gesellschafters nachzuweisen.

Nachweise erforderlich

Beim Eigenkapitalschild Mittelstand Bayern für etablierte Unternehmen sind weniger Nachweise nötig. Für sie gilt ebenso: Ihr Geschäftsmodell muss wettbewerbsfähig sein. »Die Mitarbeiter der BayBG haben diesen Punkt sehr gewissenhaft geprüft«, bestätigt Miomente-Chefin Engel. »Sie haben sich das neue Geschäftsmodell genau angeschaut.« Nach rund sechs Wochen war der Vertrag unter Dach und Fach.

Bei einem dritten Programm, dem BayernFonds des Freistaats Bayern, sind indes viel weitreichendere Prüfungen notwendig. Ein Unternehmen, das vom Fonds profitieren will, muss belegen, dass es eine gewisse Bedeutung für den Wirtschaftsstandort hat. Das vom Bayerischen Wirtschaftsministerium und vom Bayerischen Finanzministerium in Zusammenarbeit mit der hierfür gegründeten Bayerischen Finanzagentur betreute Programm dient der Stabilisierung von Unternehmen mittels stiller Beteiligungen und durch die Übernahme von Garantien. Der Fonds soll die Kapitalbasis von Firmen stärken, deren Bestandsgefährdung erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft, die technologische oder wirtschaftliche Souveränität, die Versorgungssicherheit, kritische Infrastrukturen oder den Arbeitsmarkt in Bayern hätte.

Zur Beurteilung dieser volkswirtschaftlichen Bedeutung wird nicht nur das Unternehmen überprüft. Es werden zudem objektive Vergleichsgrößen wie zum Beispiel offizielle Arbeitsmarktstatistiken herangezogen. Damit ist klar: Die Hürden liegen sehr hoch. Doch das ist auch angemessen. Denn der BayernFonds ist eine Art letzter Strohhalm.

IHK-Service: Nützliche Links zur Verbesserung der Eigenkapitalversorgung

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