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Mutmacher in schwierigen Zeiten

Illustration: zaie/Adobe Stock ©
Weltweit unterwegs – das können auch kleine Firmen

Der renommierte Exportpreis Bayern ehrt kleine und mittelständische Betriebe mit besonderen Erfolgen im Auslandsgeschäft. In diesem Jahr geht der Preis an Firmen mit besonders kreativen Strategien in Coronazeiten.

Mechthilde Gruber, Ausgabe 12/2021

Die Pandemie mit ihren zahlreichen Einschränkungen und teilweise geschlossenen Grenzen konnte sie nicht abhalten: Viele kleine und mittelständische Unternehmen im Freistaat haben sich auch in Coronazeiten nicht auf den heimischen Markt beschränkt, sondern ihre Geschäftserfolge im Ausland gesucht. 40 von ihnen haben sich in diesem Jahr um den Exportpreis Bayern beworben. »Insbesondere für kleine, international tätige Unternehmen waren die letzten Monate herausfordernd.

Umso beeindruckender sind deren Erfolgsgeschichten im Auslandsgeschäft«, sagt Jurymitglied Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK). Die Special Edition des Exportpreises Bayern soll diese Unternehmen würdigen und gleichzeitig als Mutmacher bekannt machen. »Ich bin beeindruckt, mit welchem Engagement, mit welchen Ideen und auch mit welcher Risikobereitschaft die drei Gewinner die Herausforderungen in Coronazeiten erfolgreich gemeistert haben«, betont Gößl.

Den Exportpreis vergeben das Bayerische Wirtschaftsministerium, der BIHK und die Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern in Zusammenarbeit mit Bayern International. In diesem Jahr wurde der Exportpreis Bayern in drei speziellen Kategorien verliehen:

  • Erfolgreiche Auftragsabwicklung in Coronazeiten
  • Gelungene Markterschließung und Kundengewinnung in Coronazeiten
  • Beachtliche Innovation in Coronazeiten

Die Erstplatzierten der drei Kategorien wurden am 17. November 2021 in einem feierlichen Festakt ausgezeichnet. Zwei der drei Gewinner kommen aus Oberbayern. Wir stellen diese beiden Unternehmen und ihre Exportkonzepte vor.

Exportpreis-Sieger: Fairness zahlt sich aus – Franz Schroll GmbH, Chieming

Sieger in der Kategorie: Beachtliche Innovation in Coronazeiten

  Erfolgreich an die Anforderungen der Pandemie angepasst –
  Firmenchef Franz Schroll mit seinen Töchtern Lena (l.) und Katja Schroll

  Foto: Franz Schroll GmbH

 

  

Für Franz Schroll, den Gründer, Inhaber und Geschäftsführer der gleichnamigen GmbH, ist ein faires Miteinander das Erfolgsrezept – auch und gerade im Auslandsgeschäft.

»Ganz gleich, ob es der Kunde, ein Lieferant oder Partner ist, ein Geschäft muss immer für beide Seiten passen«, sagt Franz Schroll, Geschäftsführer der Franz Schroll GmbH. Bei der Leitung des Familienbetriebs in Chieming wird der 59-Jährige von seinen Töchtern Katja (28) und Lena (25) tatkräftig unterstützt. Als die Firma vor 30 Jahren gegründet wurde, war sie hauptsächlich in der Möbelschreinerei im hochwertigen Innenausbau tätig. Seit 2000 hat sich das Unternehmen auf die Realisierung von Wellnessbereichen für Privatkunden und Hotels spezialisiert.

Erste Erfahrungen im Auslandsgeschäft konnte Franz Schroll als Subunternehmer in entfernten Märkten wie Dubai, den Bahamas oder Russland sammeln. Heute ist die Firma in vielen Ländern als direkter Anbieter unterwegs. Die stärksten Auslandsmärkte sind Italien und Österreich, aktuell bedient das Unternehmen aber auch Anfragen aus Dubai und Jordanien.

»Als mit der Coronakrise der erste Lockdown kam, war das für uns die totale Verunsicherung«, sagt Prokuristin Katja Schroll. Die Hotellerie legte geplante Projekte erst einmal auf Eis, ein extremer Umsatzeinbruch war zu erwarten. Doch es kam anders.

Als abzusehen war, dass der Lockdown länger dauern würde, nutzten die Hoteliers die Zeit für Umbauten. Projekte, die für spätere Jahre geplant waren, wurden vorgezogen. »Der von uns befürchtete Umsatzrückgang hat sich total ins Positive gewendet«, sagt Katja Schroll. »Auch der private Wellnessbereich boomt nach wie vor.«

Die Auftragslage ist gut. Unter Lieferengpässen musste der Betrieb nicht leiden, auch wenn Massivholz und Platten kaum noch verfügbar waren. Fairness und Lieferantentreue hätten sich gerade in diesen schwierigen Zeiten ausgezahlt, betont die Prokuristin: »Unsere Lieferanten, denen wir immer treu waren, haben uns jetzt in der Krise bevorzugt bedient, diese Wertschätzung hat gutgetan.«

Spa Cubes als Komplettpaket fürs Ausland

Das Unternehmen reagierte aber auch schnell auf die neuen Anforderungen. »Das Thema Private Spa, das es schon länger gibt, hat durch Corona eine noch größere Priorität bekommen«, sagt Schroll. Deshalb überarbeitete das Unternehmen sein Erfolgsprodukt Außensauna, Spa Cube genannt, komplett im Hinblick auf die neuen Anforderungen durch die Pandemie. Die Modelle reichen von der klassischen Gartensauna bis zur Komplettlösung mit Sauna, Ruhebereich und überdachtem Außenbereich. Die Spa Cubes werden für jeden Auftraggeber individuell in Chieming gefertigt, mit einem Tieflader zum Standort befördert und dort von Schroll-Mitarbeitern platziert.

Dies hatte in der Pandemie für den Versand ins Ausland den zusätzlichen Vorteil, dass langwierige Montagearbeiten mit mehreren Mitarbeitern entfallen. Denn, »die Entsendung unserer Monteure trotz Grenzschließungen und Quarantäneregeln war eine wirklich große Herausforderung«, sagt Katja Schroll: »Quasi wie im Liveticker saß ich am Telefon und habe mich über die jeweils neuesten Bestimmungen und Vorgaben in den einzelnen Ländern informiert.«

Kammern unterstützen beim Auslandsgeschäft in Pandemiezeiten

Vor allem für Italien, wo gerade drei große Projekte parallel liefen, war der Organisationsaufwand für das kleine Unternehmen enorm. »Wir waren aber gut vorbereitet, das hat sich auch bei den zahlreichen Kontrollen gezeigt, bei denen wir immer unbeanstandet blieben«, sagt Lena Schroll, die nach einem Innenausbaustudium und als gelernte Schreinerin auch selbst bei den Montagen einspringt, »wenn es brennt«.

Mit Geduld, Durchhaltevermögen und der Unterstützung der Kammern können auch kleine Unternehmen die gestiegenen Herausforderungen im Auslandsgeschäft gut meistern, ist Katja Schroll überzeugt. Dass auch das Engagement der Mitarbeiter entscheidend zum Erfolg beiträgt, ist im Familienbetrieb selbstverständlich. »Vom Exportpreis erhoffen wir uns deshalb vor allem eine Anerkennung und Motivation für unsere Mitarbeiter«, sagt Franz Schroll. »Gut, wenn das Lob für sie nicht nur von uns und unseren Kunden, sondern auch einmal von höherer Stelle kommt.«

Exportpreis-Sieger: Engagement wird belohnt – ibidi GmbH, Gräfelfing

Sieger in der Kategorie: Erfolgreiche Auftragsabwicklung in Coronazeiten

  In der Krise Kunden akquiriert –
  Valentin Kahl (l.) und Roman Zantl,
  Geschäftsführer von ibidi

  Foto: ibidi GmbH

 

  

Die ibidi GmbH hat die Auswirkungen der Pandemie auf die Lieferketten früh vorausgesehen und entschlossen gegengesteuert – mit Erfolg.

»Der Exportpreis ist vor allem eine Anerkennung für unsere Mitarbeiter. Sie haben während der Pandemie, einer Zeit voller Unsicherheiten, einfach Ausgezeichnetes geleistet. Das war beeindruckend«, sagt Valentin Kahl. Der 50-Jährige ist gemeinsam mit dem gleichaltrigen Roman Zantl Mitgründer und Geschäftsführer der ibidi GmbH in Gräfelfing. Die Firma begann 2001 als universitätsnahes Start-up. Heute entwickelt, produziert und vertreibt das Unternehmen weltweit »Werkzeuge für die Lebenswissenschaften«, wie Kahl es beschreibt. »Wir stellen Systeme her, in denen man lebende Zellen unter körperähnlichen Bedingungen kultivieren sowie analysieren kann und dadurch versteht, was in diesen Zellen passiert, wenn Krankheiten auftreten.«

Die Kunden sind Wissenschaftler aus Forschungseinrichtungen und Universitäten weltweit, neuerdings kommen sie auch aus der Pharmaindustrie. Hauptexportland sind mit 50 Prozent Anteil die USA. Die europäischen Länder sowie Japan und China sind ebenfalls wichtige Märkte für den Mittelständler.

Dass das Unternehmen so gut durch die Coronakrise kommen würde, war dabei anfangs nicht abzusehen. Zu Beginn der Pandemie ab Mitte März 2020 wurden die Geschäftsführer mit einem starken Umsatzeinbruch konfrontiert. »Das zweite Quartal 2020 war wirklich eine Katastrophe, sodass wir Kurzarbeit anmelden mussten«, sagt Kahl. Aber schon im Juli erhöhte sich die Nachfrage rapide, vor allem im Bereich Virologie waren die Produkte von ibidi stark gefragt.

Vorausschauend handeln trotz Risiko

Trotz weltweit unterbrochener Lieferketten konnte das Unternehmen seine Kunden zuverlässig bedienen. Das Erfolgsgeheimnis: Bereits im Februar 2020, als sich die Coronakrise erst andeutete, aber man bei ibidi ahnte, dass dies ein größeres Thema werden könnte, hatte das Unternehmen vorausschauend alle seine Lager mit Rohprodukten aufgefüllt. Auch bei der US-amerikanischen Tochtergesellschaft wurde ein eigenes Lager aufgebaut, um sich gegen Lieferprobleme abzusichern. »Wir sind mit vollen Lagern in die Krise gegangen, was natürlich ein hohes Risiko war, da dort viel Geld geparkt war«, erklärt der ibidi-Manager. »Das war ein bisschen sportlicher, als man es gerne hätte.« Am Ende aber hat sich das Risiko gelohnt: Liefertreue war für ibidi auch während der Pandemie kein Problem.

Eine weitere, von der Auftragsabteilung initiierte Maßnahme half dabei, die Produkte während der Pandemie zuverlässig auch in asiatische Märkte zu liefern. Die Mitarbeiter hatten frühzeitig erfahren, dass etwa in China der Zoll alle Waren bei der Einfuhr desinfizierte. Umgehend wurden deshalb die Verpackungen bei ibidi entsprechend modifiziert, um diese Prozedur zu überstehen. Die ibidi-Produkte trafen daher unbeschädigt und ohne Verspätung bei den asiatischen Kunden ein.

Kundenakquise durch direkte Onlinekommunikation

Die Entwickler und Vertriebsmitarbeiter im unfreiwilligen Homeoffice konnten sogar neue Geschäftsfelder erschließen, erklärt Geschäftsführer Zantl. Durch die direktere Onlinekommunikation mit den Schlüsselkunden auch in der Pharmaindustrie habe sich nebenbei eine Kundenakquise ergeben, die eigentlich nicht geplant war: »Da alle im Homeoffice saßen und Muße für den Austausch hatten, konnten wir neue Kontakte knüpfen. Gleichzeitig ist bei uns das Verständnis für den Bedarf der Pharmaindustrie gewachsen.«

Schnell auf neue Fragestellungen zu regieren, gehört bei ibidi zur Unternehmens-DNA. Während der Coronakrise entwickelte die Firma auf Anfrage verschiedener Forschungsgruppen sehr schnell eine Innovation in der Zellmikroskopie, die letztlich dazu beitragen kann, die Entwicklung von Therapien gegen Viren zu beschleunigen. Trotz Corona wird die Virologie bei ibidi aber nur ein Teilbereich bleiben, betont Zantl: »Immunologie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs stehen bei uns im Fokus. Wir liefern die Werkzeuge, um sie zu verstehen.«

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