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Flüssig bleiben: Fünf Schritte, um die Liquidität zu sichern

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Coronakrise – Unternehmen sollten jetzt ihre Finanzierung genau prüfen

Der Umsatz ist eingebrochen, die Auftragslage unsicher? Fünf Schritte, wie Unternehmen gefährliche Liquiditätsengpässe vermeiden können. Als Service unten ein Überblick möglicher Programme und Anlaufstellen.

Ausgabe 05/2020, Monika Hofmann

Abgesagte Feste und Veranstaltungen, geschlossene Gasträume, verschobene Buchungen, stornierte Reisen: Die Coronakrise trifft Gastronomie und Tourismus besonders hart. Aber auch viele Mittelständler aus anderen Branchen wie Einzelhändler oder Automobilzulieferer müssen mit wegbrechenden Umsätzen klarkommen. Wer kein großes Finanzpolster besitzt, sieht sich schnell mit Liquiditätsengpässen konfrontiert – eine Insolvenz kann dann gefährlich nahe rücken. Einer solch bedrohlichen Situation lässt sich entgegenwirken: Unternehmer sollten rasch den Kontakt zu ihren Banken suchen. Am besten schildern sie ihrem Berater ehrlich und klar ihre Lage auf Basis eines aktuellen Liquiditätsplans. »Das ist der erste, überaus wichtige Schritt, um eine Liquiditätskrise in den Griff zu bekommen«, rät Joachim Linke, Finanzierungsexperte bei der IHK für München und Oberbayern. Auch Firmen, die über ausreichend Kapitalreserven verfügen, sollten ihre Finanzierung genau prüfen und vorsorgen.

IHK Service: Eine Sammlung hilfreicher Programme zur Liquiditätssicherung finden Sie unten am Textende.

1. Sofort Dialog mit der Bank aufnehmen

 »Wenn sich eine Liquiditätskrise abzeichnet, ist es wichtig, sofort und in Eigeninitiative das Gespräch mit der Bank zu suchen«, rät IHK-Experte Linke. Nur so kann eine Firma gemeinsam mit der Bank Strategien entwickeln, um aus dem Engpass wieder herauszukommen. Verfügt ein Unternehmen über wenig Eigenkapital und keine weiteren Sicherheiten, kann eine Stundung der Kreditraten eine Möglichkeit sein, sich Liquidität zu verschaffen. Meist lässt sich die Tilgung im Einvernehmen mit der Bank aussetzen, bis das Unternehmen wieder bessere Zahlen schreibt. Dabei verlängert sich allerdings die Laufzeit oder der Restschuldbetrag.

Mehr Liquidität können außerdem die Soforthilfen des Freistaats und des Bundes oder eine Steuerstundung verschaffen. Schließlich erweitern neue Kredite und Hilfen den finanziellen Spielraum. Neue Förderkredite und Bürgschaften müssen Firmen über ihre Hausbanken beantragen, die vorab die Bonität prüfen. »Unternehmen pflegen daher am besten einen intensiven Dialog mit ihren Banken, um passende Lösungen zu finden«, rät der Experte.

2. Das Gespräch gut vorbereiten

Gut strukturierte, leicht nachvollziehbare und überzeugende Unterlagen erleichtern die Verhandlungen mit der Bank. »Damit lässt sich von Anfang an hohe Transparenz und eine vertrauensvolle Kommunikationsbasis schaffen«, so IHK-Fachmann Linke. Unternehmen sollten aussagekräftige Unterlagen erarbeiten und der Bank vor dem Bankgespräch zur Verfügung stellen. Neben Jahresabschlüssen, Verträgen, einer Dokumentation der Auftragslage und einer aktuellen betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA), die einen Überblick über die Ertragslage und die Kennzahlen ermöglicht, sollten Firmen mit mehreren Bankverbindungen auch einen Bankenspiegel vorlegen, der alle Kreditlinien ausweist.

Zudem ist ein aktueller Liquiditätsplan erforderlich. Er erfasst alle aktuellen und geplanten Ein- und Auszahlungen und zeigt, ob und wie lange ein Betrieb noch liquide ist, also seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann. Linke: »Gerade in Krisenzeiten ist es wichtig, nicht nur in die Vergangenheit zu blicken, sondern nach vorne.« Eine Mustervorlage »Liquiditätsplan« bietet die IHK auf ihrer Website unter "Businessplan."

3. Kreditlinien ausbauen

Müssen Unternehmen die Folgen der Krise überbrücken und zugleich erste neue Aufträge vorfinanzieren, kann es schnell zu Engpässen kommen. Um sie zu vermeiden, können Firmen jetzt ihre Kreditlinien ausbauen oder halten – vorausgesetzt, die Betriebe verzeichnen positive Zahlen. »Wer über ein bislang tragfähiges Geschäftsmodell verfügt, hat große Chancen auf Kredite«, erklärt IHK-Experte Linke. Schlittern gesamte Branchen in die Krise, kann sich das Rating für alle Unternehmen des Sektors verschlechtern – unabhängig von der individuellen Lage eines Betriebs. Die meisten Banken und Geldgeber nehmen dann zusätzliche Branchenabschläge vor.

»Finanzierungsmix verhindert einseitige Abhängigkeiten.«

Zudem können Firmen in Krisenphasen meist nicht mehr so gute Zahlen vorweisen. In diesem Fall können zusätzliche Sicherheiten für niedrigere Zinsen sorgen. Wichtig ist ebenso, Instrumente, die das Eigenkapital stärken, wie etwa Beteiligungen, in die Finanzierung einzubeziehen. Linke: »Entscheidend ist ein ausgewogener Finanzierungsmix, denn er verhindert starke einseitige Abhängigkeiten.«

4. Niedrige Zinsen langfristig sichern

Firmen mit guter Bonität finden auch bei anderen Kreditanbietern Darlehen zu günstigen Zinssätzen und Konditionen. Darauf können Unternehmen verweisen, wenn sie mit ihren Hausbanken verhandeln. Schulden Firmen jetzt kurzfristige Kredite in langfristige um, schaffen sie nicht nur Planungssicherheit, sondern sichern sich auch eine günstige Finanzierung. »Wer sich über langfristige Kredite finanziert, profitiert über die Krisen hinaus vom noch teilweise niedrigen Zinsniveau«, so Linke.

5. Gezielt Fördergelder nutzen

Unternehmen und Selbstständige, die wegen der Coronakrise mit Umsatzeinbußen zu kämpfen haben, können nicht nur Soforthilfen von Bund und Freistaat beantragen. Auch die LfA Förderbank Bayern, die Bürgschaftsbank Bayern und die KfW Bankengruppe haben ihre Angebote ausgebaut. Jeden Kreditantrag muss die jeweilige Hausbank für die Förderinstitute prüfen. Um die Prozesse zu beschleunigen, verzichten die Förderbanken teilweise auf eine weitere Prüfung. »Einige Banken haben inzwischen für die Kreditbearbeitung der Firmenkunden ihre Personalkapazitäten aufgestockt«, beobachtet Linke. Das soll mehr Tempo in die Verfahren bringen.

Nur Plausibilitätsprüfung und Selbsterklärung

Die Bundesregierung hat beschlossen, die staatlichen Garantieübernahmen bei der Absicherung von Krediten auf 100 Prozent zu erhöhen. Die neue Regelung gilt für Unternehmen ab zehn Mitarbeitern. Der Kredit kann über die Hausbank bei der KfW Förderbank beantragt werden. In Bayern ist für kleinere Unternehmen ein ähnliches Programm mit 100 Prozent Haftungsfreistellung bei der LfA Förderbank geplant. Beide Programme sollen ohne aktuelle Risikoprüfung, lediglich durch eine Plausibilitätsprüfung durch die Bank und eine Selbsterklärung des Unternehmens schnell beantragbar sein.

Voraussetzung für die Inanspruchnahme der neuen Angebote ist immer ein tragfähiges Geschäftsmodell und der Nachweis, dass sich die Schwierigkeiten des Unternehmens auf die Coronakrise zurückführen lassen.

IHK Service: Mögliche Programme zur Liquiditätssicherung im Überblick (Stand: 20.4.2020):

Corona-Schutzschirm-Kredit: Die LfA Förderbank Bayern bietet über die jeweilige Hausbank Darlehen von 10.000 Euro bis zehn Millionen Euro für Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft mit Jahresumsatz bis einschließlich 500 Millionen Euro.

LfA-Universalkredit: um Liquiditätsprobleme anzugehen, Betriebsmittel inklusive Waren zu finanzieren oder kurzfristige Verbindlichkeiten umzuschulden.

LfA-Schnellkredit: Für Firmen mit bis zu zehn Mitarbeitern, 100 Prozent Haftungsfreistellung, Quick-Check durch die Hausbank, für Betriebsmittel und Investitionen. Akutkredit der LfA: zur Finanzierung von Unternehmen in Liquiditäts- und Rentabilitätsschwierigkeiten bei Vorliegen eines tragfähigen Konzepts für die Gesundung.

Bürgschaften I: Die LfA übernimmt vereinfachte Bürgschaften bis zu 30 Millionen Euro, max. Bürgschaftssatz 90 Prozent.

Bürgschaften II: Die LfA übernimmt Ausfallbürgschaften für Kredite an kleine und mittlere Unternehmen sowie Freiberufler bis zu fünf Millionen Euro.

Bürgschaften III: An Händler, Hoteliers,Gastwirte, Gartenbauer und Handwerker richtet sich das umfassende Bürgschaftsangebot der Bürgschaftsbank Bayern.

ERP-Gründerkredit-Universell: Für Unternehmen, die noch keine fünf Jahre am Markt aktiv sind. Sie können den Kredit für Investitionen und Betriebsmittel über die Hausbank beantragen.

KfW-Unternehmerkredit: Richtet sich an Firmen, die länger als fünf Jahre bestehen,und erleichtert die Finanzierung von
Investitionen und Betriebsmitteln.

KfW-Schnellkredit: Mit 100 Prozent Haftungsfreistellung, Quick-Check durch die Hausbank, für Betriebsmittel und Investitionen an Firmen ab zehn Mitarbeitern.

KfW-Sonderprogramm: Die KfW beteiligt sich an Konsortialfinanzierungen für Investitionen und Betriebsmittel von mittelständischen und großen Unternehmen.
 

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