Standortpolitik

Konjunktur: Stimmung in der Wirtschaft wieder etwas schlechter

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Die Industrie ist vorsichtig optimistisch – wichtige Absatzmärkte beleben sich

Die coronabedingten Einschränkungen beeinträchtigen die bayerische Wirtschaft weiterhin massiv. Das drückt in vielen Unternehmen auf die Stimmung. Einiges spricht aber dafür, dass die erhoffte Erholung nur vertagt ist.

Nadja Matthes, Ausgabe 03/21

Die Coronakrise hat die bayerische Wirtschaft noch fest im Griff. Das zeigt der aktuelle BIHK-Konjunkturindex, für den regelmäßig rund 4.000 Unternehmen im Freistaat zu ihrer aktuellen Geschäftslage und ihren künftigen Erwartungen befragt werden. Seit der letzten Erhebung im vergangenen Herbst ist das Stimmungsbarometer von 107 auf 98 Punkte gesunken. Immerhin liegt es damit noch deutlich über dem Niveau des letzten Frühjahrs. Damals, zum ersten Höhepunkt der Coronakrise, erreichte der Index lediglich 81 Punkte.

Im Vergleich zum Herbst haben die Unternehmen ihre Einschätzung der aktuellen Geschäftslage von +9 auf +4 Punkte gesenkt. Damit sind derzeit etwas mehr Firmen mit ihrer derzeitigen Situation zufrieden (32 Prozent) als unzufrieden (28 Prozent). Die Geschäftserwartungen fielen in den Minusbereich: von +5 auf –9 Punkte. Im Frühjahr 2020 lag dieser Wert allerdings noch deutlich tiefer bei –20 Punkten.

Viele Betriebe haben sich mittlerweile auf die Auswirkungen der Pandemie eingestellt. Sie haben ihre Geschäftsmodelle angepasst, online neue Absatzkanäle erschlossen oder ausgebaut, ihre Arbeitsabläufe digitalisiert und die Möglichkeiten für mobiles Arbeiten erweitert.

Große Unterschiede zwischen den Branchen

Beim Blick auf einzelne Branchen zeigen sich jedoch große Unterschiede. Vor allem die Industrie befindet sich in einer deutlich komfortableren Situation als im Frühjahr 2020. Sie profitiert nicht nur von einer stabileren Nachfrage aus dem Inland, sondern auch von der Erholung wichtiger Absatzmärkte wie etwa China oder Nordamerika. Außerdem sind die Lieferketten und Vertriebswege derzeit deutlich weniger beeinträchtigt als noch im ersten Lockdown. Zufrieden dürften auch viele Bauunternehmen sein, selbst wenn sich die Konjunktur in der Branche langsam abkühlt. Aktuell bezeichnen 46 Prozent der Firmen ihre Lage als gut, nur acht Prozent sind unzufrieden. Allerdings erwarten die Betriebe künftig weniger Aufträge im Wirtschaftsbau sowie im öffentlichen Sektor.

Angespannte Situation

Ganz anders sieht die Situation jener Unternehmen aus, die direkt oder indirekt von persönlichem Kundenkontakt abhängen. Sie müssen weiterhin massive Umsatzeinbußen verkraften. Besonders betroffen ist hier nach wie vor die Kultur- und Kreativwirtschaft. Auch bei Hotels, Gaststätten und anderen Tourismusbetrieben ist die Situation äußerst angespannt: 93 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht.

Im Handel hat sich die Stimmung ebenfalls merklich eingetrübt. Schließlich mussten die meisten stationären Einzelhändler ihre Läden im Lockdown zusperren und erleiden dadurch ähnliche Einbußen wie im Frühjahr 2020. Der Onlinehandel hingegen profitiert von den Schließungen und floriert.

Häufig stabile Liquiditätslage

Die BIHK-Konjunkturumfrage untersucht auch die Liquiditätssituation der Betriebe: Die große Mehrheit der Unternehmen (insgesamt 84 Prozent) meldet eine befriedigende oder sogar gute Ausstattung mit flüssigen Mitteln. Der Anteil mit einer existenzbedrohenden Liquiditätslücke ist insgesamt nach wie vor überschaubar.

Im Vergleich zum Frühjahr sind zwei Tendenzen erkennbar:

  • Es gibt erstens deutlich mehr Unternehmen, die eine gute Liquiditätslage haben. Dies dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, dass aktuell mehr Unternehmen ihre wirtschaftliche Aktivität aufrechterhalten können.
  • Zweitens hat sich trotz des aktuell längeren Lockdowns die Liquiditätslage im Vergleich zum Frühjahr nicht dramatisch verschärft. Ein wesentlicher Grund dafür dürften die staatlichen Hilfsprogramme sein.

Allerdings verdecken diese Zahlen, wie angespannt die Liquiditätslage bei einigen Unternehmen derzeit ist. Die von den Beschränkungen direkt und indirekt betroffenen Branchen sind weiterhin dringend auf staatliche Maßnahmen zur Stärkung der Liquidität angewiesen. Ihre Liquiditätslage ist häufig sehr angespannt.

Was für eine Erholung spricht

Insgesamt besteht angesichts der aktuellen Situation die berechtigte Hoffnung, dass die Erholung der bayerischen Wirtschaft nur vertagt ist. Die hohe Sparquote, der recht stabile Arbeitsmarkt – auch dank der Kurzarbeit –, stabile Einkommen und anhaltend niedrige Zinsen bieten eine sehr gute Basis dafür, dass neben den Exporten auch die Inlandsnachfrage deutlich steigt.

Diese Erwartung dürfte auch der Grund sein, warum die Unternehmen aktuell ihre Investitions- und Beschäftigungspläne nicht erneut nach unten korrigieren.

Welche unterstützenden Maßnahmen aber braucht die Wirtschaft vonseiten der Politik, damit sie durch die Krise kommt und anschließend wieder durchstarten kann? »Die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen müssen so schnell und so unbürokratisch wie möglich bei den vom Lockdown stark betroffenen Branchen ankommen«, fordert Robert Obermeier, Chefvolkswirt der IHK für München und Oberbayern.

Keine neuen Auflagen oder höhere Belastungen gefordert

Ergänzende steuerliche Maßnahmen wie ein erweiterter Verlustrücktrag seien ebenfalls notwendig, damit die vom Lockdown hart getroffenen Branchen nach der Pandemie auch noch existieren. Und: Wenn es schließlich wieder aufwärtsgeht, dürfen keine neuen Auflagen oder höheren Belastungen die Erholung gleich wieder ausbremsen.

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