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Offen für alle Wege

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Florian Schneider (l.) und Fritz Kreutzpointner, Geschäftsführer

Steffi Sammet, Ausgabe 02/2020

Das Burghauser Familienunternehmen Kreutzpointner hat seinen Aktionsradius über Jahre hinweg gezielt ausgeweitet – und ist so enorm gewachsen.

Ob auf Baustellen in Wuppertal oder Nürnberg, im polnischen Biskupiec, in Leonding in Österreich oder am Münchner Flughafen: Wer auf Deutschlands Straßen oder im benachbarten Ausland unterwegs ist, begegnet häufig den weißen Autos mit dem orangefarbenen Schriftzug »Elektro Kreutzpointner«. Die Baustellen, zu denen die Transporter des Elektrospezialisten fahren, liegen weit verstreut. Zu Hause sind die Fahrzeuge im oberbayerischen Burghausen. Die Kleinstadt liegt 100 Kilometer östlich von München, direkt an der Grenze zu Österreich. Trotz der Randlage der Gemeinde ist es für Fritz Kreutzpointner, der die Firmengruppe in dritter Generation führt, scheinbar ein Leichtes, überregional Aufträge zu gewinnen. » Für uns als Dienstleister ist es selbstverständlich, zum Kunden zu kommen, auch wenn seine Baustelle weit entfernt liegt«, sagt der 54-Jährige. Dass die Arbeit auf den Baustellen trotz der großen Distanzen reibungslos laufe, »liegt unter anderem an der starken Zentrale. Ob Einkauf, Personal oder Projektmanagement – all das findet in Burghausen statt«, ergänzt Florian Schneider, kaufmännischer Geschäftsführer bei Kreutzpointner. Die insgesamt 1200 Mitarbeiter (inklusive Foto: Photo by Ron Ronson/www.ron-ronson.com Fremdpersonal) sind in sechs Bereichen tätig: der Gebäude-, Industrie- und Ingenieurtechnik, im Schaltanlagenbau und in den Sektoren IT-Systeme und Kreutzpointner energy. Das Unternehmen selbst besteht aus fünf Töchtern in Burghausen, im niederbayerischen Gangkofen, in Freiberg in Sachsen, im österreichischen Linz und im rumänischen Brasov. Niederlassungen und Stützpunkte unterhält die Firmengruppe in München sowie an neun weiteren Standorten in Deutschland und Österreich.

Glücksfall Flughafen

»Der große Aktionsradius hat sich nicht von heute auf morgen entwickelt«, betont Kreutzpointner. »Ende der 1980er-Jahre waren uns die Aufträge aus dem Umkreis zu wenig. Wir wollten mehr.« Die ersten überregionalen Aufträge ließen nicht lange auf sich warten – so wie der, gemeinsam mit vier weiteren Fachbetrieben die Elektroarbeiten für den Bau des Terminal 1 am Münchner Flughafen durchzuführen. Das Vertrauen, das die Firma durch das Projekt zum Flughafen und zur Deutschen Flugsicherung aufbauen konnte, besteht bis heute: Ob Wartungsaufträge für das Areal oder die Beteiligung am Bau des Satellitengebäudes – Kreutzpointner war stets mit von der Partie. Seine vollen Auftragsbücher verdankt der Firmenchef nicht nur den guten Ergebnissen, sondern auch so manchem Impuls seiner Kunden. »Uns hilft es enorm, wenn wir beispielsweise den Zuschlag von Bayer erhalten, am Bau seines neunstöckigen Laborgebäudes am Standort Wuppertal mitzuwirken«, sagt Kreutzpointner. Die große Distanz zum Einsatzort spielt dabei keine Rolle: Die Montageplanung und Installation der Elektro-, Schwachstrom- und Sicherheitstechnik führt ein Team der Freiberger Firmentochter Automation Elektro Kreutzpointner aus. Die Mehrkosten, die entstehen, weil die Mitarbeiter wöchentDarum geht’s Die Elektro Kreutzpointner GmbH setzt auf langjährige Kundenbeziehungen und eine starke Zentrale in Burghausen. Für seine Azubis hat die Gruppe eine eigene Akademie eingerichtet. Große Chancen sieht das Unternehmen in Aufträgen rund um die Photovoltaik. Florian Schneider (l.) und Fritz Kreutzpointner, Geschäftsführer 44 lich die 550 Kilometer zwischen Wuppertal und Freiberg hin- und herpendeln, nimmt Kreutzpointner für so einen Auftrag gerne in Kauf. Das Geheimnis, als Familienbetrieb Aufträge von namhaften Kunden deutschlandweit zu erhalten, beschreibt Geschäftsführer Schneider selbstbewusst: »Uns hilft unser starkes Netzwerk. Aber wir wissen auch, dass wir gut sind. Selbst wenn wir nicht das billigste Angebot abgeben, erhalten wir oft den Zuschlag, weil Kunden Zuverlässigkeit schätzen.« Diese selbstbewusste Haltung zahlt sich aus: Im Jahr 2018 erwirtschaftete die Gruppe rund 100 Millionen Euro Umsatz. Neun Jahre zuvor waren es 60 Millionen Euro.

»Das Umfeld ist top und hilft uns, Mitarbeiter zu binden.« Fritz Kreutzpointner, Geschäftsführer Elektro Kreutzpointner

Der Heimat treu

Eine Verlegung der Firmenzentrale von Burghausen an einen zentraleren Standort hat Kreutzpointner nie erwogen. Erst 2018 investierte das Unternehmen etwa sechs Millionen Euro in den Umbau der Zentrale: »Das Umfeld in Burghausen im Hinblick auf Wirtschaft, Sport und Kultur ist top und hilft uns, unsere Mitarbeiter zu binden.« Mit der Erdölraffinerie der OMV, der Wacker Chemie und den vielen Firmen, die im Chemiedreieck Südostbayern zwischen Burghausen, Trostberg und Töging angesiedelt sind, »haben wir ohnehin viele Kunden direkt vor der Haustür«, betont Kreutzpointner.

Weitsichtiger Weichensteller

Weit mehr als 90 Prozent der Aufträge kommen aus dem gewerblichen Bereich. Das Faible für Projekte, die viel technisches Know-how verlangen, ist unverkennbar. Entsprechend hohe Ansprüche stellt das Unternehmen an seine Mitarbeiter. Schulungsprojekte beispielsweise für Führungskräfte sind bei dem Elektrospezialisten selbstverständlich. Seit 2017 fördert die Gruppe zudem in einer eigenen Akademie ihre Auszubildenden. »Da bieten wir fachspezifischen Unterricht und Vorbereitungen für die Prüfungen an«, so Geschäftsführer Schneider. Auch für den technischen Wandel und die Digitalisierung will Kreutzpointner bestens gerüstet sein: »Dafür braucht das Unternehmen IT-affine Leute, die das Dienstleistungsspektrum erweitern und Lösungen schaffen, die Handwerk und Digitalisierung verknüpfen«, so der Firmenchef. Weitere Chancen sieht Kreutzpointner in der Energiewende: »Die Suche nach intelligenten Lösungen rund um die Photovoltaik ist eine große Aufgabe«, erklärt er. Seine Firmengruppe ist darauf vorbereitet: Seit 2015 existiert die Firmentochter energy mit Sitz in Gangkofen. Ihr etwa 20 Mann starkes Team reist quer durch Deutschland, um Elektroinstallationen an Photovoltaikanlagen zu übernehmen. Erst jüngst ging unter ihrer Regie eine 6-Megawatt-Anlage im brandenburgischen Blankensee in Betrieb. Aktuell ist die Truppe mit zwei Aufträgen betraut: In Zabakuck in Sachsen-Anhalt befindet sich eine 12-Megawatt- und in Lüttow-Valluhn in Mecklenburg-Vorpommern eine 16-Megawatt-Anlage in Bau. »In der Branche haben wir uns den Ruf erarbeitet, ein akribischer Photvoltaikspezialist zu sein, der genau weiß, was er tut«, so Kreutzpointner. Denn nur, wenn wirklich alles exakt eingerichtet werde, bringe so eine Anlage ihre Leistung und halte so lange, wie veranschlagt. Unabhängig davon, ob die jeweiligen Dienstleistungen technisch nun einfach zu handhaben oder anspruchsvoll sind: Kreutzpointner ist überzeugt, dass sie alle den Charakter der Burghauser Unternehmensgruppe ebenso prägen wie die Mischung aus regionalen und überregionalen Aufträgen und so ihren Erfolg ausmachen. »Dazu gehört es dann eben auch, dass unsere Firmenfahrzeuge selbst in Deutschlands entlegensten Gegenden auftauchen.«

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