Standortpolitik | Mobilität

Neustart in Bayern

IAA Mobility/VDA ©
Auf der IAA können auch verschiedene Fahrzeuge ausprobiert werden – darunter Elektroautos, E-Scooter oder Elektrofahrräder

Die Messe IAA Mobility in München im September 2021 wird eine Vielzahl von Innovationen präsentieren und Wege aufzeigen, wie eine nachhaltige Mobilität künftig aussehen könnte.

Josef Stelzer, Ausgabe 07/2021

Neuer Standort, neues Messekonzept – der Verband der Automobilhersteller (VDA) hat München als Standort für die IAA Mobility 2021 und 2023 auserkoren, mit einer Option für 2025. Dieses Jahr findet die Messe vom 7. bis 12. September statt, und zwar auf dem Messegelände sowie an weiteren Plätzen in der Münchner City.

»Einzigartige Chance für München«

Die IAA Mobility könnte dabei zu einem Meilenstein für den Neustart des Messestandorts München werden, vor allem nachdem zahlreiche Präsenzmessen im Zuge der Coronapandemie abgesagt oder verschoben wurden. Im Mittelpunkt der IAA stehen nicht mehr allein die neuen Automodelle, sondern generell Mobilitätsthemen mit innovativen Technologien, Dienstleistungen und einem separaten Fahrradbereich. »Vieles ist neu am Konzept der IAA Mobility. Unsere Zielsetzung ist dabei, dass wir als Veranstaltung und als Marke zum Ideentreiber werden, zu einer international bekannten Plattform, von der wesentliche Impulse ausgehen für die Mobilität der Zukunft«, betont Klaus Dittrich (66), Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München GmbH. Die Neuausrichtung sei eine der herausforderndsten Aufgaben im internationalen Messegeschäft und eine einzigartige Chance für München.

VDA-Präsidentin Hildegard Müller (54) gibt einen Ausblick: »Wir werden diese IAA in den Messehallen, auf den Plätzen der Innenstadt und großen Verkehrsachsen erleben können. Sie soll für ihre Besucher mit allen Sinnen erfassbar und im wahrsten Sinne des Wortes erfahrbar werden.« Geplant ist die Mobilitätsmesse als hybrides Format sowohl mit Vor-Ort-Präsenz der Aussteller und Besucher als auch mit Digitalangeboten. Als ein Kernelement fungiert der »Summit« in den Ausstellungshallen, wobei Automobilhersteller, Zulieferer, Technologieunternehmen, Mobilitätsdienstleister und Start-ups ihre Neuerungen präsentieren (Schwerpunkte siehe unten).

Viele Branchen sollen profitieren

Vom Messegeschäft können nicht zuletzt jene Branchen profitieren, die von der Coronakrise und den pandemiebedingten Einschränkungen hart getroffen wurden, etwa Gastronomie, Hotellerie, Taxigewerbe und andere Bereiche der Tourismuswirtschaft. Weitere Berufsgruppen wie beispielsweise Künstler sollen über Rahmenprogramme und Kooperationen mitwirken.

Clemens Baumgärtner (44), Referent für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt München, ist überzeugt, dass die IAA der Stadt »gut zu Gesicht steht«. Die Welt werde wahrnehmen, dass neue Mobilitätskonzepte zuerst in München zu sehen seien. Zu den zentralen Herausforderungen der Stadtpolitik gehöre es, die weiter steigenden Mobilitätsbedürfnisse der wachsenden Stadt klimafreundlich, nachhaltig und zukunftsfähig zu gestalten. Hierzu kann die Messe richtungweisende Impulse liefern.

Für die Landeshauptstadt bietet sich außerdem die Gelegenheit, sich als ein Vorreiter bei der Suche nach künftigen Mobilitätslösungen zu positionieren, gleichsam als Smart City. »München wird sich den Gästen aus aller Welt als Stadt der Innovation, Gastfreundschaft und Lebensfreude präsentieren«, sagt Wirtschaftsreferent Baumgärtner.

Für den Standort hat sich auch der ADAC Südbayern mit 24 Partnern in der »Allianz pro IAA« starkgemacht, darunter der Automobilhersteller BMW, die Landeshauptstadt München sowie die IHK für München und Oberbayern. »Dank der IAA ergibt sich eine geradezu historische Chance, um die Mobilität vom Freistaat aus neu zu denken«, meint Christoph Walter (47), Geschäftsführer des ADAC Südbayern. Die Veranstaltung biete eine ideale Plattform, um Ansätze und Ideen für eine Mobilität der Zukunft zu präsentieren.

»Blue Lane« für Wechsel zwischen E-Mobilen

Neu am Messekonzept ist beispielsweise die »Blue Lane«. Sie dient als Teststrecke und für den Transfer vom Stadtzentrum zu den Messehallen. Reserviert ist die zwölf Kilometer lange Strecke zwischen Innenstadt und Messegelände für be- stimmte Fahrzeuge wie zum Beispiel Elektroautos, emissionsfreie Shuttlebusse, Plug-in-Hybride oder Brennstoffzellenfahrzeuge. An den verschiedenen Blue-Lane-Stationen in der City stehen weitere Verkehrsmittel wie etwa E-Scooter oder Elektrofahrräder bereit. Aussteller können begleitete Probefahrten anbieten.

Auf dem Messegelände rücken im Future-Bereich die Mobilitätsformen der Zukunft in den Mittelpunkt, etwa autonomes Fahren und Flugtaxis. Unter dem Namen »Open Space« findet an ausgewählten Plätzen in der Stadt ein gemischtes Programm mit Unterhaltung und Informationen zum Thema Mobilität statt. Auf einer Bühne am Münchner Königsplatz zum Beispiel sollen Konzerte und Präsentationen mit Visionen zur Mobilität von morgen für Abwechslung sorgen. Im »Citizen Lab« auf dem Marienplatz erhalten Bürger die Gelegenheit, sich mit Beiträgen und an Workshops zu beteiligen.

Effekte am Wirtschaftsstandort

Dass die IAA als Präsenzmesse stattfindet, verspricht deutliche Effekte für den Wirtschaftsstandort. Nach einer Studie des Münchner ifo Instituts für Wirtschaftsforschung ergaben sich vor der Pandemie durch jeden Euro, der bei der Messe München durch Aussteller und Besucher erwirtschaftet wurde, weitere Umsatzeffekte von bundesweit zehn Euro – etwa in der Hotellerie und Gastronomie, bei Messebauern, Taxi- und Reinigungsunternehmen oder im Security-Bereich.

Aus den Münchner Messen und Kongressen resultierte laut ifo Institut bundesweit ein Gesamtumsatz von knapp 3,3 Milliarden Euro pro Jahr. Davon entfielen rund 80 Prozent (1,77 Milliarden Euro) auf die Landeshauptstadt München, weitere 830 Millionen auf die anderen bayerischen Regionen. Messechef Dittrich ist daher überzeugt: »Messen haben eine tragende Rolle für ihren jeweiligen Wirtschaftsstandort und sind das beste Konjunkturprogramm.«

Schwerpunkte der IAA 2021
  • Der »Summit« auf dem Münchner Messegelände bietet Automobilherstellern, Zulieferern, Mobilitätsdienstleistern, Technologieunternehmen sowie Start-ups eine Plattform und soll als Forum für politisch-gesellschaftliche Themen wie auch für einen branchenübergreifenden Austausch dienen. Hier wird das Gros der Produktpremieren zu sehen sein. Auf der »Conference« diskutieren Experten über die Zukunft der Mobilität.
     
  • Für den Transfer von der Messe München zur Innenstadt soll die »Blue Lane« zur Teststrecke werden, auf der Messebesucher neue Mobilitätsformen und emissionsarme Antriebstechnologien erproben können.
  • Mit »Open Space« werden prominente Plätze in der Münchner Innenstadt wie etwa der Marienplatz und der Königsplatz zur Plattform für Innovationen rund um nachhaltige Mobilitätslösungen.

Für die IAA gilt pandemiebedingt ein Schutz- und Hygienekonzept mit Abstandsgebot und grundsätzlicher Maskenpflicht. www.iaa.de/de/mobility

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