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Tipps zum Jahreswechsel

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Recht und Steuern – im nächsten Jahr gibt es einige Änderungen

2021 kommen einige wichtige Änderungen im Steuerrecht auf Unternehmen zu. Worauf Firmen jetzt achten sollten.

Monika Hofmann, Ausgabe 12/20

Wenn sie an Steuer- und Rechtsregeln denken, winken viele Firmenchefs derzeit ab. Sie haben andere Sorgen: Oft müssen sie damit kämpfen, dass Aufträge und sogar ganze Märkte wegbrechen. Wie sollen sie sich dann auch noch mit bürokratischen Fragen befassen? Dennoch ist es wichtig, sich mit den vielen steuerlichen und rechtlichen Änderungen zum Jahreswechsel zu beschäftigen – vor allem in Krisenzeiten. Denn zum einen lassen sich nur so kostenträchtige Fehler vermeiden. Zum anderen gibt es einige Vereinfachungen und Entlastungen.

»Für Firmen ist es jetzt von großer Bedeutung, ihre Prozesse an diese Neuerungen anzupassen«, sagt Martin Clemens, Leiter des Steuerreferats der IHK für München und Oberbayern. »Auf betroffene Firmen kommen grundlegende Änderungen zu«, betont der Steuerexperte, vor allem mit Blick auf den Brexit, die Rückumstellung des Umsatzsteuersatzes auf 19 Prozent beziehungsweise sieben Prozent zum 1. Januar 2021 sowie die geplanten Änderungen durch das Jahressteuergesetz 2020. Ausgewählte Neuerungen im Überblick:

1. Investitionsabzugsbeträge nutzen
Zwar war das Gesetzgebungsverfahren zum Jahressteuergesetz 2020 (JStG 2020) bei Redaktionsschluss* noch nicht abgeschlossen, doch ist jetzt schon klar, dass es für Unternehmen einige bedeutende Änderungen bringt. So will der Gesetzgeber die Investitionsabzugsbeträge neu gestalten. Sie zählen zu den bedeutenden Steuerbegünstigungen für kleine und mittlere Betriebe – mit dem Ziel, ihre Investitionsbereitschaft zu steigern.

Die begünstigten Anschaffungs- oder Herstellungskosten werden von 40 auf 50 Prozent angehoben. Statt der bisherigen, von der jeweiligen Einkunftsart abhängigen unterschiedlichen Größenmerkmale gilt nunmehr eine einheitliche Gewinngrenze von 150.000 Euro. »Ferner besteht die Möglichkeit, über Sonderabschreibungen das Investitionsvolumen noch schneller steuerlich abzuschreiben«, erklärt IHK-Steuerexpertin Mira Pezo.

2. Neue Wohnvermietungsregeln beachten
Wenn Arbeitgeber ihrer Belegschaft beispielsweise verbilligten Wohnraum zur Verfügung stellen oder auf Mietanpassungen verzichten, soll künftig in mehr Fällen ein vollumfänglicher Abzug der Werbungskosten von den Mieteinnahmen möglich sein. Damit will der Gesetzgeber durch das JStG 2020 günstigen Wohnraum fördern.
»So soll die Grenze, bis zu der die entsprechenden Kosten steuerlich lediglich anteilig berücksichtigt werden, von derzeit 66 auf 50 Prozent der ortsüblichen Miete herabgesetzt werden«, erläutert IHK-Steuerexperte Jörg Rummel. Liegt das Entgelt zwischen 50 und 66 Prozent der ortsüblichen Miete, soll nach den Gesetzesplänen das Finanzamt prüfen, ob eine Einkunftserzielungsabsicht vorliegt.

3. Daten digital übermitteln
Mit einem digitalen Datenaustausch zwischen den Arbeitgebern, den privaten Kranken- und Pflegeversicherungen und der Finanzbehörde soll sich nach dem Entwurf des JStG 2020 der bürokratische Aufwand verringern. Das bisherige Lohnsteuerabzugsverfahren per Papier wird damit ersetzt.

4. Mehrwertsteuer-Digitalpaket umsetzen
Mit dem Mehrwertsteuer-Digitalpaket will der Gesetzgeber im JStG 2020 in erster Linie die EU-Vorgaben umsetzen, die jedoch erst ab Juli 2021 in Kraft treten sollen. Beispielsweise soll der bisherige Mini-OneStop-Shop zur zentralen Anlaufstelle, also zum One-Stop-Shop, erweitert werden. Firmen können dann diese zentrale Anlaufstelle nutzen und müssen sich nicht mehr in jedem EU-Land ihrer Kunden umsatzsteuerlich registrieren lassen. Auch soll es einen neuen Import-One-Stop-Shop für aus Drittstaaten eingeführte Waren geben. Ferner sind bei der in Deutschland bereits 2019 eingeführten Besteuerung von Onlinemarktplätzen und elektronischen Schnittstellen Konkretisierungen geplant.

5. Steuerbelastungen reduzieren
Durch das sogenannte Zweite Familienentlastungsgesetz soll bei der Einkommensteuer der Grundfreibetrag wieder in zwei Schritten von derzeit 9.408 Euro ab 2021 auf 9.744 Euro und ab 2022 auf 9.984 Euro angehoben sowie der weitere Tarifverlauf an die Inflation (kalte Progression) angepasst werden. Damit wird die Steuerbelastung reduziert.

6. Schon verabschiedete Gesetze beachten
Alle Firmen, nicht nur krisengeschüttelte und liquiditätsschwache, sollten sich mit der bereits verabschiedeten Coronasteuergesetzgebung und sonstigen Neuregelungen auseinandersetzen. Wichtig sind vor allem folgende Punkte:

Umsatzsteuer
Die Politik hat allgemein die Umsatzsteuersätze, befristet vom 1. Juli 2020 bis zum 31. Dezember 2020, von 19 auf 16 Prozent und von sieben auf fünf Prozent gesenkt. Firmen sollten sich mit den sich daraus ergebenden Fragen der Rückumstellung zum 1. Januar 2021 befassen. Zudem wurden zusätzlich die Umsatzsteuersätze für zwischen dem 30. Juni 2020 und dem 1. Juli 2021 geleistete Restaurant- und Verpflegungsleistungen von 19 (bzw. 16) Prozent auf sieben (bzw. fünf) Prozent gesenkt. Davon ausgenommen sind Getränke. Die Einfuhrumsatzsteuer wird später fällig – und zwar jeweils am 26. des zweiten auf die Einfuhr folgenden Monats.

Lohnsteuer
Es wurde eine Steuerbefreiung von Corona-Sonderzahlungen der Arbeitgeber bis zu 1.500 Euro in der Zeit vom 1. März bis zum 31. Dezember 2020 eingeführt.

Ertragsteuern
Ab 1. Januar 2021 gilt eine Teilabschaffung des Solidaritätszuschlags. Für circa 90 Prozent der Steuerzahler soll der Zuschlag durch das Gesetz zur Rückführung des Solidaritätszuschlags 1995 vollständig entfallen. Der Bund will Gutverdiener jedoch weiter zur Kasse bitten. Ebenso gilt die Entlastung nicht für Körperschaftsteuerpflichtige.
Die Freigrenze, bis zu der kein Solidaritätszuschlag anfällt, wird von 972 Euro auf 16.956 Euro der maßgebenden (Einkommen-) Steuer angehoben, sodass bis zu einem zu versteuernden Einkommen von 61.717 Euro zukünftig kein Soli mehr fällig wird (bei Einzelveranlagung). An die neue Freigrenze schließt sich eine sogenannte Milderungszone an, durch die es zur teilweisen Entlastung vom Soli kommt. Laut Angaben der Bundesregierung profitieren davon weitere 6,5 Prozent der Soli-Zahler.

Für Zwecke der Einkommen- und Körperschaftsteuer hat der Gesetzgeber den steuerlichen Verlustrücktrag für die Jahre 2020 und 2021 auf fünf Millionen Euro beziehungsweise zehn Millionen Euro (bei Zusammenveranlagung) erweitert. Zudem wurde ein Mechanismus eingeführt, um den Verlustrücktrag für 2020 unmittelbar finanzwirksam schon mit der Steuererklärung 2019 zu nutzen.
Ebenso entlasten kann die kürzlich eingeführte, degressive Abschreibung in Höhe von 25 Prozent. Sie darf jedoch höchstens das 2,5-Fache der linearen Abschreibung betragen und gilt für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die in den Jahren 2020 und 2021 angeschafft oder hergestellt werden.

Bei der Besteuerung der privaten Nutzung von Dienstwagen, die keine Kohlendioxidemissionen verursachen, wurde der Höchstbetrag des Bruttolistenpreises von 40.000 Euro auf 60.000 Euro erhöht.

Zudem hat die Politik vorübergehend Reinvestitionsfristen verlängert. Gewinne aus dem Verkauf bestimmter Wirtschaftsgüter können Firmen steuerfrei als Rücklagen einstellen. Diese Rücklagen durften sie bisher vier Jahre lang steuerfrei auf neue Ersatzgüter übertragen. Jetzt gilt dafür eine um ein Jahr längere Frist.

Für Investitionsabzugsbeträge verlängert der Gesetzgeber für bestimmte Fälle diese Fristen auf vier Jahre. Daher müssen Investitionsabzugsbeträge unter anderem aus 2018 nicht in 2021 bereits zwingend aufgelöst werden.

Bei der Gewerbesteuer stieg der Ermäßigungsfaktor von 3,8 auf 4,0 des Gewerbesteuer-Messbetrags, was den in den letzten Jahren gestiegenen Hebesätzen Rechnung tragen soll. Ebenso erhöhte sich der Freibetrag für die Hinzurechnungstatbestände auf 200 000 Euro.
Von Verbesserungen profitieren Firmen zudem bei der Forschungszulage. Die maximale Bemessungsgrundlage ist von zwei auf vier Millionen Euro geklettert. Diese Erhöhung gilt befristet für den Zeitraum vom 1. Juli 2020 bis 30. Juni 2026.

7. Brexit-Risiken richtig einschätzen
Seit Ende Januar 2020 ist das Vereinigte Königreich (VK) kein Mitgliedstaat der EU mehr. Nahtlos schließt sich ein Übergangszeitraum an, in dem es wie ein EU-Staat behandelt wird. Dieser endet jedoch am 31. Dezember 2020. »Vor allem grenzüberschreitende Warenbewegungen und Dienstleistungen können betroffen sein, denn das VK gilt dann als Drittland«, erklärt IHK-Expertin Katja Reiter. Das bedeutet erneute Zollgrenzen und massive Änderungen bei der Umsatzsteuer, den Verbrauchsteuern sowie den Ertrags- und Substanzsteuern.

»Unternehmen, die Waren oder verbrauchsteuerpflichtige Erzeugnisse ins VK liefern, von dort beziehen oder Dienstleistungen ausführen, sollten ihre Geschäftsprozesse rechtzeitig überprüfen und entsprechend anpassen«, rät die Expertin.

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