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Clever und vielseitig

Künstliche Intelligenz (KI) hilft auch Kleinunternehmen. Das Einsatzspektrum ist denkbar breit gefächert.
Von Josef Stelzer, 3/2025
Für Kommunikationsexpertin Beate Mader gehört künstliche Intelligenz (KI) längst zum Arbeitsalltag. Sie nutzt KI zum Beispiel, um Social-Media- oder Blog-Beiträge zu verfassen. „Je präziser die Arbeitsanweisung oder Frage an die KI, also der jeweilige Prompt formuliert ist, desto bessere Resultate wird sie bereitstellen“, sagt die Inhaberin von VISION HOCH DREI & CoWorking-Bad Tölz. Textlänge sowie Sprachstil legt sie vorab fest. „Bevor ich die KI-Texte veröffentliche, überprüfe ich sie natürlich“, betont sie. Denn KI-Texte sind aktuell noch immer fehleranfällig.
Vor allem bei Routineaufgaben erweisen sich die verschiedenen Chatbot-Lösungen, die sie per PC oder Smartphone nutzt, als hilfreich. Damit bleibt der Unternehmerin mehr Zeit für Beratung und kreative Tätigkeiten. „Beim Austausch mit der künstlichen Intelligenz ergeben sich außerdem immer wieder neue Ideen, etwa zum Thema Coworking“, freut sich Mader, die in ihren Bad Tölzer Büroräumen 10 Arbeitsplätze für Coworking-Kunden anbietet.
Umfassende Unterstützung
Unterm Strich mehren sich die Einsatzmöglichkeiten von KI schnell und stetig. „Gerade auch kleinere Unternehmen und Selbstständige können davon profitieren“, sagt IHK-Fachfrau Claudia Stephan. „Die Texterstellung ist nur dabei eine von vielen Möglichkeiten.“ IHK-Experte Daniel Meyer nennt einige Einsatzbereiche, die für kleinere Betriebe interessant sind:
- Übersetzungen: Mithilfe von KI können Übersetzungen schnell, in großen Mengen und auf präzise und anspruchsvolle Weise erstellt werden.
- Routineaufgaben: KI kann repetitive und zeitaufwendige Aufgaben automatisieren, zum Beispiel um Daten zu erfassen, vorgefertigte Texte zu optimieren, Dokumente zu analysieren oder Rechnungen zu verarbeiten.
- Datenanalyse: KI hilft, große Datenmengen zu analysieren, Muster zu erkennen und Erkenntnisse zu liefern. Beispiele: Erstellung von Verkaufsprognosen, Durchführung von Marktanalysen, Vorhersage von Trends oder Analyse von Kundenverhalten.
- Serviceaufgaben: Im Kundenservice können Chatbots genutzt werden, um häufig gestellte Fragen zu beantworten, Probleme zu diagnostizieren und Kundenanfragen effizient zu bearbeiten. Auch unterstützt KI bei Reparatur und Wartung, zum Beispiel indem sie Handbücher auswertet und Reparaturprozesse analysiert und begleitet.
- Personalrekrutierung: KI-Algorithmen analysieren Bewerbungen und identifizieren qualifizierte Kandidaten für offene Stellen, screenen Onlinenetzwerke und Jobportale nach potenziellen Kandidaten und helfen bei der Bewertung von Kandidaten.
- Kundenkommunikation: KI ermöglicht es Unternehmen, personalisierte Angebote und Empfehlungen für Kunden zu erstellen.
- Kreative Aufgaben: KI kann Texte verfassen, aber auch Kampagnen oder Konzepte vorbereiten.
Stolpersteine beachten
Doch gilt es bei Lösungen der generativen künstlichen Intelligenz, wie etwa ChatGPT oder Copilot, stets auch verschiedene Stolpersteine zu berücksichtigen. „Neben der kritischen Prüfung auf inhaltliche Korrektheit sollte darauf geachtet werden, dass keine personenbezogenen Daten oder vertrauliche Informationen eingegeben werden“, unterstreicht Meyer. Denn insbesondere bei webbasierten Angeboten bestehe die Gefahr, dass solche Daten bereits bei der Eingabe abfließen und vielleicht auch in falsche Hände geraten können. „Vermeiden lässt sich dies, indem Unternehmen KI-Lösungen einkaufen oder direkt ins eigene Unternehmen integrieren, sodass Daten im eigenen System bleiben und der ursprüngliche Anbieter keinen Zugriff mehr hat.“
Lösungen zum Kennenlernen
Wer sich angesichts der rasanten KI-Entwicklung unsicher fühlt, kann sich im Münchner KI-Studio des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) Stuttgart jetzt mit den Nutzungsmöglichkeiten und Vorteilen von KI vertraut machen. Die IAO-Experten erläutern bei Open-Door-Terminen anhand von sogenannten Demonstratoren – 10 davon stehen im Studio bereit – diverse KI-Anwendungsbeispiele und beschreiben, worauf es ankommt.
Von Marketing bis Pflege
Sie zeigen zum Beispiel, wie künstliche Intelligenz bei der Formulierung von Werbeslogans oder Marketingtexten hilft oder auf Baustellen, im Pflegebereich, in der Qualitätsprüfung oder in der Gastronomie eingesetzt werden kann. „Bisher waren rund 150 Gäste vor Ort, um die Potenziale der Technologie und ihre Einsatzmöglichkeiten kennenzulernen“, berichtet Fraunhofer-Wissenschaftlerin Anna Staffa, die für das Münchner Studio zuständig ist. Zudem stehen regelmäßig Workshops zu KI auf dem Programm.
Für den mobilen Einsatz der Demonstratoren bei den Unternehmen oder im Rahmen von Veranstaltungen sind zudem zwei KI-Infomobile unterwegs. Das KI-Studio freut sich über Anfragen unter: ki-studios@iao.fraunhofer.de
IHK-Veranstaltung: IHK-Selbstständigentag am 14. Mai 2025 ab 16 Uhr
Der IHK-Selbstständigentag stellt in diesem Jahr das Thema künstliche Intelligenz in den Mittelpunkt. Mit dabei sind auch das KI-Studio des Fraunhofer IAO und Anna Staffa.
Wann: 14. Mai 2025 ab 16 Uhr
Wo: IHK für München und Oberbayern. Max-Joseph-Straße 2, 80333 München
Hier geht’s zu Anmeldung und Info.