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Hellas im Aufbruch

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Glänzende Aussichten – Griechenland (im Bild Athen) bietet der Wirtschaft wieder Perspektiven

Griechenland hat die Trendwende geschafft. Die Wirtschaftslage verbessert sich langsam, aber kontinuierlich. Den Aufschwung im Land können bayerische Unternehmen nutzen.

Mechthilde Gruber, Ausgabe 03/2020

Nach zehn Jahren tiefster Krise, in der ein Viertel der Wirtschaftsleistung verloren ging und die Bevölkerung harte Sparmaßnahmen erdulden musste, erreichte Griechenland 2019 einen Wendepunkt: »Wirtschaftliche Stabilität und leichtes Wachstum sind zu verzeichnen. Das bringt wieder Sicherheit und Vertrauen in die griechische Wirtschaft«, sagt Athanassios Kelemis (60), Geschäftsführer der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer (AHK) in Athen.

Die Investitionen sind gestiegen, die Kapitalverkehrskontrollen, die für Investoren ein großes Hemmnis waren, sind abgeschafft. Das Wirtschaftswachstum liegt bei zwei Prozent, die Arbeitslosigkeit geht leicht zurück und die Exporte steigen. Der wichtige Tourismus boomt, knapp ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts wird in diesem investitionsstarken Sektor erwirtschaftet. Wirtschaftsexperten urteilen: Das Land kehrt zur Normalität zurück.

»Es ist ein Ruck durchs Land gegangen, das war das Positive an der Krise«, sagt Kelemis. »Die Griechen haben verstanden, dass man nicht mehr ausgeben kann, als eingenommen wird. « Auch in die traditionell guten bayerisch-griechischen Beziehungen kommt wieder mehr Schwung, beobachtet Ramona Reif, Europaexpertin bei der IHK für München und Oberbayern: »Wir erhalten zurzeit viele Anfragen von Unternehmen, die in Griechenland eine Firma gründen oder von dort importieren wollen. « Auch die Exporte nach Griechenland steigen wieder.

Wachsendes Interesse deutscher und insbesondere bayerischer Firmen sieht auch AHK-Geschäftsführer Kelemis: »Vor allem in Dienstleistungsbereichen wie Logistik, Finanzdienstleistung, Softwareentwicklung oder Callcenter siedeln sich namhafte große und kleinere Unternehmen an. « Ein Grund dafür: Griechische Fachkräfte haben ein sehr gutes Ausbildungsniveau und sind verfügbar.

Für Griechenland spricht auch die geopolitische Lage. »Die Beziehungen zu den Balkanländern sind exzellent. Unternehmen mit Sitz in Griechenland können in den südosteuropäischen Raum exportieren und haben dort Zugang zu 80 Millionen Konsumenten. «

Ein weiterer strategischer Vorteil ist die gut ausgebaute Infrastruktur. Hier engagieren sich bislang hauptsächlich chinesische Investoren. Griechenlands konservative Regierung ist allerdings sehr daran interessiert, für die anstehenden Privatisierungen von Häfen und Unternehmen auch deutsche und andere europäische Firmen zu gewinnen.

Vielversprechend für Investoren ist besonders der Energiesektor, der dekarbonisiert werden soll. Auch Umwelttechnologien, die in der Abfall-, Recycling- und Abwasserwirtschaft zum Einsatz kommen, sowie der Tourismus bieten Potenzial. Die Wachstumsbranchen Griechenlands sind ebenfalls als Absatzmarkt für Investitionsgüter interessant. Hier gab es in den vergangenen Jahren einen Investitionsstau, da die Unternehmen Modernisierungsmaßnahmen nicht finanzieren konnten. Das hat sich geändert. Produkte »Made in Germany« werden sehr geschätzt, so der AHK-Geschäftsführer: »Bayerische Unternehmen sollten deshalb jetzt einsteigen und die gute wirtschaftliche Situation Griechenlands nutzen. «

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg ist der richtige Partner vor Ort, der die Besonderheiten des Landes kennt und die Herausforderungen der immer noch intransparenten griechischen Bürokratie beherrscht. »Wer einen Partner findet, der selbst Geld in die Hand nimmt, kann darauf vertrauen, dass sein Projekt gute Chancen hat«, so Kelemis‘ Erfahrung. Die AHK unterstützt deutsche Firmen bei der Partnersuche und bietet Marktstudien sowie Standortanalysen.
 

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