„Wir wollen inspirieren“

Die Murnauer Kaufmannsfamilie Echter investiert konsequent in die Weiterentwicklung ihres Traditionsunternehmens. Auf den Onlineverkauf verzichtet sie dabei ganz bewusst.
Von Eva Elisabeth Ernst, IHK-Magazin 04/2025
In den vergangenen 9 Jahren hat Echter Mode und Wohnen nicht nur beraten und verkauft, sondern auch sehr viel gebaut: 2015 gestaltete der Einzelhändler seinen Standort in Weilheim komplett neu und erweiterte ihn. Mit rund 5.000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist es heute das größte Modehaus zwischen Innsbruck und München.
3 Jahre später folgte der Umbau von Echter Wohnen. Und im Herbst 2023 waren die umfangreichen Arbeiten im Stammhaus, dem Modehaus mitten in der Murnauer Fußgängerzone, abgeschlossen – pünktlich zum 125-jährigen Firmenjubiläum, das groß gefeiert wurde.
Die beachtlichen Investitionen in die eigenen Immobilien sieht Christian Echter (59), der die Unternehmensgruppe in 4. Generation führt, als Fortsetzung der Familientradition: „Wir haben stets sorgfältig gewirtschaftet und die Erträge immer wieder in unsere Unternehmen gesteckt, um sie weiterzuentwickeln.“ Zusammen mit der starken regionalen Verbundenheit bilde dies die Basis des langjährigen wirtschaftlichen Erfolgs.
Strategieprojekt stößt Neuausrichtung an
Um für zukünftige Herausforderungen bestmöglich gewappnet zu sein, initiierte Echter 2020 ein Strategieprojekt. Dabei holte er sich Unterstützung von einer Unternehmensberatung, die über keinerlei Einzelhandelserfahrung verfügte. „Ich wollte ganz bewusst Ideen und Expertise von außerhalb der Branche“, sagt Echter.
Mit den Ergebnissen sei er sehr zufrieden: „Wir haben vor allem unseren Markenkern, unsere Markenstory und damit unsere Positionierung erarbeitet.“ Seither setzt das Unternehmen auf Stilkompetenz und exzellente Beratung. „Wir fokussieren uns darauf, gute Gastgeber zu sein, und wollen unsere Kunden inspirieren.“
Stilexperten und Raumberater
Ein Beispiel für die Umsetzung der Strategie ist das Personal-Shopping-Angebot „Echter Stil Date“. Dafür entstanden in den Modehäusern separate Lounges jenseits der Verkaufsfläche, in denen Kunden in Ruhe die Kleidungsstücke anprobieren können, die für sie die Stilexperten des Hauses ausgewählt haben. Bei Echter Wohnen wiederum helfen erfahrene Raum- und Schlafberater weiter – auf Wunsch auch zu Hause beim Kunden.
„Ein weiteres Ergebnis des Strategieprojekts bestand darin, dass wir gleich danach ein Kulturprojekt aufgesetzt haben, in dem wir uns sehr stark mit dem Thema Mitarbeiter beschäftigt haben“, sagt Echter.
Daraufhin wurde ein neues Vergütungs- und Prämienmodell eingeführt, das sich nicht mehr an formalen Qualifikationen und Betriebszugehörigkeit orientiert, sondern an 10 Kriterien, die für die Erreichung der strategischen Unternehmensziele wichtig sind.
Ressort „Mensch & Kultur“ für gute Vibes
Weitere Ergebnisse des Kulturprojekts: Schönere Aufenthaltsräume für die Mitarbeitenden, und statt einer Weihnachtsfeier gibt es nun 2-mal jährlich Partys mit Catering und DJ. Eine Mitarbeiter-App mit Abteilungsgruppen sowie Streams für die einzelnen Unternehmensbereiche stärken die interne Kommunikation. Die Leiterin des neu geschaffenen Ressorts „Mensch & Kultur“ kümmert sich um Recruiting und Talententwicklung und sorgt dafür, dass die Stimmung im Unternehmen passt.
„Wir beschäftigen viele Quereinsteiger und Teilzeitkräfte – auch in Führungspositionen“, sagt Echter. „Das ist zwar mitunter organisatorisch etwas mühsamer, aber die Leistungen sind beeindruckend.“ Er freut sich darüber, dass das Unternehmen mittlerweile viele gute Bewerbungen erhält und alle Ausbildungsplätze besetzen kann. „Auch von den Kunden erhalten wir viel Zuspruch und Lob für unsere gute Beratung.“
Digital präsent – aber nicht bei Sales
Suchmaschinenmarketing ist dem Unternehmen wichtig, das auf Instagram und Facebook vertreten ist. Seit Kurzem zählt auch eine Expertin für digitales Marketing zum Team. Auf einen eigenen Onlineshop verzichtet Christian Echter jedoch bewusst: „Wir stecken unsere Kraft lieber in unsere Häuser und unsere Mitarbeiter.“ Denn das gesamte Sortiment online abzubilden, wäre ein zu großer Aufwand. „Kunden, die genau wissen, was sie wollen, kaufen online. Doch wer sich inspirieren und beraten lassen möchte, wer etwas Neues aus- und anprobieren will, der kommt gern zu uns.“
Das Unternehmen konzentriert sich auf klar definierte Stilsegmente und Warengruppen. So ist etwa die Auswahl an Hosen besonders groß – auch wenn Hosen beratungs-, kapital- und flächenintensiv sind, wie Echter sagt. „Aber Hosen probiert man eben gern an – und das ist bei uns möglich.“ In den vergangenen Jahren verfolgte das Unternehmen zudem eine Trading-up-Strategie und baute konsequent neue Marken in gehobeneren Preisklassen auf.
Kunden-Partys statt Rabatte
„Die Frequenzen, die wir vor Corona hatten, erreichen wir derzeit noch nicht wieder“, räumt Echter ein. „Doch der Gesamtumsatz lag 2024 höher als vor der Pandemie, weil der Durchschnittsbon gestiegen ist.“ Das mag auch daran liegen, dass sich Echter Mode und Wohnen mit groß angelegten Rabattaktionen zurückhält. Selbst zum 125-jährigen Bestehen des Unternehmens gab es keinen Jubiläumsrabatt. „Dafür haben wir mit unseren Kunden tolle Partys mit Livemusik, Bar, Catering und Aktionen von Lieferanten in unseren Häusern gefeiert“, sagt Echter.
Für einen direkten Draht zur Stammkundschaft sorgt die „Echter Vorteilskarte“, die bereits vor mehr als 20 Jahren eingeführt wurde. Die Zahl der aktiven Nutzer liegt im 5-stelligen Bereich. Zu den Leistungen gehören unter anderem ein Bonussystem sowie die Möglichkeit, 5 Kleidungsstücke 3 Tage lang in Ruhe zu Hause anzuprobieren. Auf Wunsch erhalten die Inhaber der Vorteilskarte zudem per Newsletter regelmäßig Informationen über neue Ware und Kundenveranstaltungen.
Chef mit Freiraum
Christian Echter ist geschäftsführender Gesellschafter und steht seit 32 Jahren an der Spitze der Unternehmensgruppe mit rund 140 Mitarbeitenden. Mit einer Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und einem anschließenden BWL-Studium inklusive USA-Praktikum bereitete er sich auf diese Rolle vor. „Die Erwartungshaltung meiner Eltern war durchaus spürbar“, sagt er.
Sein eigener Anspruch im Modebusiness sei hoch. „Daher habe ich mir von Anfang an für alle Bereiche gute Leute gesucht, die Experten auf ihrem Gebiet sind.“ Das operative Geschäft läuft deshalb auch ohne ihn. „Das lässt mir genug Freiräume, mich um übergeordnete Themen wie etwa das Strategie- und Kulturprojekt zu kümmern.“
Nachhaltig für Umwelt und Region
Auch das Management rund um den Umbau der Häuser war Chefsache. Dabei achtete Echter auf ökologische Aspekte und ließ Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen sowie sparsame Heizungs-, Lüftungs- und Beleuchtungssysteme installieren. Darüber hinaus ist ihm Engagement für die Region wichtig: So wird etwa der Erlös aus dem Verkauf von Papiertüten den Tafeln in Murnau und Weilheim gespendet.
Dass sein 16-jähriger Sohn Anton Echter Interesse am Unternehmen zeigt, freut Christian Echter besonders. „Er begleitet mich auf Messen und Inforeisen und hilft samstags auch schon im Modehaus in Murnau aus.“ Dadurch hat Echters übergeordnetes Ziel, das Unternehmen auch für die nächsten Generationen attraktiv zu halten, vielleicht sogar noch an Bedeutung gewonnen.