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Mit Frauen an die Spitze

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Frauen in Führungspositionen – noch eine Minderheit

Warum lohnen sich mehr weibliche Führungskräfte? Die Kampagne #30mit30 präsentiert Chancengleichheit, wie bei ThoughtWorks.

Mechthilde Gruber, Ausgabe 11/20

Die Kampagne läuft bundesweit: Unter dem Hashtag #30mit30 sucht das Frauennetzwerk Digital Media Women, ein Kooperationspartner der IHK für München und Oberbayern, in Deutschland 30 Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern, die einen Frauenanteil in den ersten drei Führungsebenen von über 30 Prozent haben.

»Lernen durch Vorbild als Ziel der Kampagne«

Diese Quote ist nicht willkürlich gewählt. Studien haben gezeigt: Steigt innerhalb einer Gruppe der Minderheitenanteil auf mehr als 30 Prozent, dann verändern sich die Verhaltensstereotypen, die einer der wichtigsten Blocker für Chancengleichheit sind. »Lernen durch Vorbild ist das Ziel der Kampagne«, sagt Maren Martschenko, bis Juni Vorsitzende der Digital Media Women.

Deshalb werden die Firmen, die die Kriterien erfüllen, ausführlich befragt, welche Maßnahmen und Veränderungen bei ihnen zum Erfolg führten. Dabei hat sich gezeigt, dass die Initiative für mehr Frauen in Führungspositionen am besten von oben kommt. Die Geschäftsführung muss hinter dem Vorhaben stehen. »In diesen Unternehmen herrscht die Überzeugung, dass Vielfalt für den Geschäftserfolg notwendig ist«, so Martschenko.

Individuelle Wege der Unternehmen zum Ziel

Die Kampagne zeigt aber auch, dass jedes Unternehmen seinen individuellen Weg geht, um dieses Ziel zu erreichen. Eine gesetzliche Regelung sei nicht notwendig, sagt IHK-Expertin Elfriede Kerschl, Referatsleiterin für Fachkräfte, Weiterbildung, Frauen in der Wirtschaft: »Die Unternehmen haben das auch ohne gesetzliche Quote geschafft, weil sie freiwillig hinter dem Ziel stehen.« Warum es sich für Firmen auszahlt, mehr Führungspositionen mit Frauen zu besetzen, und mit welchen Maßnahmen das gelingen kann, zeigt das Unternehmen ThoughtWorks.

Beispiel: ThoughtWorks

Die internationale Softwareberatung gehört zu den Teilnehmern der Kampagne #30mit30. »Diversity macht uns zu einem erfolgreicheren Unternehmen«, davon ist Katrin Rhode überzeugt. Die 54-Jährige ist Mitglied des Führungsteams bei dem IT-Beratungsunternehmen und leitet das operative
Geschäft in Deutschland. 350 Mitarbeiter sind hier beschäftigt, 62 davon in der Niederlassung
in München.

Den Frauenanteil in allen Führungsebenen hat das Unternehmen in den letzten fünf Jahren auf eine für die IT-Branche außergewöhnliche Höhe von 42 Prozent gebracht. Im deutschen Leadership-Team
sind von acht Mitgliedern sogar die Hälfte Frauen. »Wir setzen uns sehr passioniert für Gerechtigkeit im Berufsleben ein«, sagt Rhode. »Das heißt: gleiche Chancen für alle, Karriere zu machen.«

»Für schnelles Wachstum alle Quellen ausschöpfen«

Neben dieser ideellen Motivation gibt es bei ThoughtWorks noch einen sehr konkreten,
businessgetriebenen Grund. »Da wir schnell wachsen und es im IT-Bereich schwer ist, neue Mitarbeiter zu akquirieren, müssen wir alle Quellen ausschöpfen – auch das Potenzial von Frauen.«

Damit sich Frauen im Unternehmen wohlfühlen, hat sich der IT-Spezialist eine Quote von 40 Prozent als Ziel gesetzt. Grundsätzlich achtet die Firma auf Diversität, unabhängig von Aussehen, Herkunft,
Sprache oder sexueller Orientierung. ThoughtWorks investiert auch sehr viel ins Recruiting und versucht, schon bei der Einstellung von Uniabsolventen eine Frauenquote von 60 Prozent zu erreichen.

Leadership-Programme für Frauen und Männer

Hinzu kommen allgemeine Leadership-Programme für Frauen und Männer, aber auch spezielle, die nur für Frauen konzipiert sind. Dort können sie sich auch offen über spezielle Herausforderungen für Frauen in einer männlich geprägten Branche austauschen. »Wir setzen uns aber auch mit Mechanismen auseinander, die verhindern, dass Frauen in Führungspositionen kommen«,
betont Rhode. Hier gehe es vor allem um unbewusste Vorurteile.

Um diese abzubauen gibt es Chatgruppen, E-Mail-Threads, Diskussionen und auch spezielle Trainings für männliche Kollegen. Bei Beförderungen und Gehaltsrunden werde sehr genau darauf geachtet, dass kein Gender-Gap entsteht. Bei Abweichungen werden die Gründe sofort analysiert und bei Bedarf korrigiert.

»Hier leistet unser Unternehmen etwas Besonderes«

Der Fokus auf Chancengleichheit bringe dem Unternehmen aber nicht allein beim Wettbewerb um die besten Talente entscheidende Vorteile, sagt Rhode. Denn viele Kunden lernten über ThoughtWorks nicht nur moderne Technologie kennen, sondern auch, wie man inklusiv im Team
arbeitet. »Das ist ein zentraler Bestandteil unseres Erfolgs«, so Rhode. »Hier leistet unser Unternehmen etwas Besonderes.«

Fünf Erfolgsfaktoren für mehr Frauen in Führungspositionen:

1. Diversität in allen Bereichen fördern

2. Eine »Kultur des Zutrauens« im Unternehmen entwickeln durch informelle Kommunikation, Transparenz und Vertrauen

3. Die Führungskultur verändern durch Delegieren von Verantwortung, Ermutigen und das Schaffen von Role Models

4. Mit Recruitingmaßnahmen gezielt Frauen ansprechen und eine Willkommenskultur im Unternehmen etablieren

5. Flexible Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schaffen

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