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Das Haus für die Kunst

Marion Vogel ©
Will den Kunstmarkt mit innovativen Ideen bereichern – Robert Ketterer, Geschäftsführer des Auktionshauses Ketterer Kunst

Für das Auktionshaus Ketterer war 2020 das beste Jahr in der Unternehmensgeschichte – trotz der Pandemie. Entscheidend dazu beigetragen hat Firmenchef Robert Ketterer mit seiner weitsichtigen Digitalstrategie.

Mechthilde Gruber, Ausgabe 10/2021

Auf »das wohl größte Kunstschaufenster der Welt« ist Robert Ketterer, Geschäftsführer der Ketterer Kunst GmbH & Co. KG, besonders stolz. 23 Meter breit, 7,5 Meter hoch – da ist genügend Platz, um erlesene Kunstwerke auszustellen, die man von der Straße aus betrachten kann. Der Inhaber des Auktionshauses ließ 2008 das neue Firmengebäude in München-Riem nach seinen Ideen errichten. Dieser »total entscheidende Meilenstein« sei mit ein Grund für Rekordumsätze und die Marktführerschaft des Unternehmens in Deutschland. Das »Haus für Kunst«, wie es Ketterer nennt, sei auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten, »und es bedeutet für mich Planungssicherheit, weil ich hierbleiben kann«, sagt Ketterer.

Detailgenauigkeit

Seine Kunden – Sammler aus mehr als 50 Nationen – liegen ihm naturgemäß besonders am Herzen. Ihnen kann er im hochmodernen, dreistöckigen Auktionshaus alles bieten, worauf sie Wert legen: genügend Parkraum in der Tiefgarage und reichlich Platz, um sämtliche Kunstwerke vor den Auktionen in Ruhe zu besichtigen – mit einladenden Sitzgruppen, leiser Musik, gutem Kaffee und Häppchen. »Das gibt es sonst nirgends«, sagt Ketterer, der auf Details als maßgebliche Stellschrauben setzt. Als ihm einmal eine Besucherin sagte, hier sei es wie in einer Ausstellung, war das »mein schönstes Kompliment«.

Job im Familienunternehmen als Provisorium

Dem Unternehmer ist es gelungen, die 1954 von seinem Vater Wolfgang Ketterer gegründete Galerie mit Weitsicht, Geschick und Ideen zu einem international renommierten Auktionshaus umzubauen, das im Coronajahr 2020 den besten Umsatz der Unternehmensgeschichte erzielte und diesen Trend 2021 fortsetzt. Und das vor dem Hintergrund, dass er eigentlich »nie in die Firma wollte« und lieber Skilehrer geworden wäre. Doch der Vater war rigoros, ließ die vier Söhne früh hart arbeiten. Den Job, den er Robert später in der Firma anbot, sah der eher als Provisorium, um Geld zu verdienen. Doch die Erfahrungen im Auktionshaus veränderten diese Sicht: »Plötzlich machte es mir Spaß und ich blieb.«

Der Anfang war schwer

Das Unternehmen hatte zwar einen passablen Ruf in Deutschland, stand aber wirtschaftlich nicht gut da. »Ich hatte Mühe, es wieder aufzubauen«, erinnert sich der heute 52-Jährige. Er spezialisierte sich und begann mit dem, was er bis heute am liebsten macht: »Reisen, reisen, reisen.« Weltweit auf Akquise unterwegs sein, Sammler besuchen, Kontakte pflegen – das ist für ihn eine große Bereicherung. »Ich treffe Menschen, die in Kunst und Kultur zu Hause sind, viel erlebt haben und spannende Geschichten erzählen können«, begeistert er sich.

Seine Touren lohnten sich. Er konnte 2001 und 2003 große Sammlungen an Land ziehen. Ab da ging es stetig bergauf. Ihm kam auch zugute, dass das Auktionshaus seinen Namen trägt. »Das schafft Glaubwürdigkeit, Vertrauen, Akzeptanz und Sichtbarkeit«, sagt Ketterer.

Vorreiter mit Online-Auktionen 2007

Technikaffin, wie der Unternehmer ist, setzte er früh auf das Internet, trieb die Digitalisierung voran und bot 2007 als Erster in der Branche Auktionen online an. Jedes Jahr investiert er einen sechsstelligen Betrag in die Weiterentwicklung der Software. Außerdem kaufte er 2.500 noch freie Domains von nicht mehr lebenden hochrangigen Künstlern. »Das kostete mich viel Geld, aber Ketterer steht dadurch bei Google ganz oben«, sagt der Unternehmer lachend.

Der Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 war für ihn zunächst ein Schock. Doch dann traf er eine »drastische Entscheidung«, wie er sagt. Im Unterschied zu seinen Kollegen meldete er keine Kurzarbeit an. Er wollte voll einsatzbereit sein, wenn es wieder losgeht. Und er behielt recht.

Fünffacher Umsatz der Onlineversteigerungen

»In der Krise steht Kunst als Anlageform ganz oben«, weiß Ketterer aus Erfahrung. Die Auktionen 2020 brachten ihm 30 Prozent mehr Umsatz ein; dabei gingen die Onlineversteigerungen dank seiner Expertise »durch die Decke und verfünffachten ihren Umsatz«, so Ketterer. Seine Juni-Versteigerung 2021 erbrachte sogar das beste Saisonergebnis in der Auktionsgeschichte Deutschlands. Dennoch wird der Unternehmer nachdenklich, wenn er über die Zukunft spricht. »Äußerst labil«, sei der Markt, man müsse mit allem rechnen.

Braucht man überhaupt noch Auktionshäuser oder läuft bald alles online? Was bedeutet der beschleunigte Trend zur Digitalisierung? »Ich will auf jeden Fall neue Entwicklungen mitgestalten und den Kunstmarkt mit innovativen Ideen bereichern«, nimmt sich der Auktionator vor.

Zur Person Robert Ketterer

Robert Ketterer, Jahrgang 1969, arbeitete schon früh in der 1954 gegründeten Galerie seines Vaters Wolfgang Ketterer mit. Als
22-Jähriger übernahm er seine erste Auktion, seit 1994 ist er Geschäftsführer der Ketterer Kunst GmbH & Co. KG, seit 1997
Alleininhaber. Das Unternehmen ist spezialisiert auf zeitgenössische und moderne Kunst des 19., 20. und 21. Jahrhunderts
sowie auf wertvolle Bücher. Ketterer Kunst gilt als weltweit umsatzstärkstes Kunstauktionshaus in Familienhand (61 Millionen
Euro Umsatz, 80 Mitarbeiter, Repräsentanzen im In- und Ausland). Robert Ketterer ist verheiratet und hat zwei Söhne.

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