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Immer einen Tick besser

Marion Vogel ©
»Stillstand war nie eine Option«, sagt Unternehmer Christian Tröger

Olympia-Medaillengewinner und Marketingstratege Christian Tröger nutzt seine Erfahrungen als Schwimmprofi und berät Firmen in Fragen der Kommunikation und strategischen Markenführung.

Harriet Austen, Ausgabe 12/2021

»Mit Schwimmen wird man nicht reich.« Dieser Satz seiner Eltern hat sich Christian Tröger tief eingeprägt. Schon früh war ihm klar, dass er »eine Karriere nach der Karriere« braucht und zweigleisig fahren muss. So lernte er, hartes Training, Wettkämpfe, Schule und Studium miteinander zu vereinbaren. »Da war keine Zeit zum Sandeln, wie man auf gut Bairisch sagt«, meint der 52-Jährige lachend.

Zweite Karriere außerhalb der Schwimmhalle

Mit Ehrgeiz, Disziplin, Durchhaltevermögen und hoher Motivation war Tröger überaus erfolgreich: Er wurde Deutscher Meister, Europameister, Weltmeister und holte drei Bronzemedaillen bei Olympischen Spielen. »Ein Fulltime-Job«, sagt er rückblickend. Er legte damit auch den Grundstein für seine zweite Karriere als Coach und Unternehmensberater für Marketing- und Kommunikationsstrategien. »Ich begleite Themen, die mir am Herzen liegen und alle meine Welten vereinen«, so Tröger.

Mit dem Schwimmsport ist er quasi aufgewachsen, seine Eltern waren ebenfalls Leistungssportler in dieser Disziplin. Der junge Mann verzichtete von Anfang an auf vieles und trainierte besonders konsequent. Dabei hatte er immer die Vision vor Augen, Erster zu werden, an dieses Ziel zu glauben und nie aufzugeben. Diese Leidenschaft, aber auch sein Talent und der stetige Erfolg im Spitzensport hätten ihn angetrieben, sagt Tröger, und entscheidend dazu beigetragen, dass er ein großes Pensum schaffte und quasi nebenbei BWL studieren konnte.

Auch nach dem Ende seiner Schwimmkarriere »prägten und bereicherten mich die Themen Sport und Olympia«, erklärt Tröger, der zunächst das Formel-1-Engagement bei einer Telekommunikationsfirma mitprägte und als Co-Kommentator für die ARD tätig war.

Dann kam eine Anfrage des Nationalen Olympischen Komitees, ob er die Olympiabewerbung Deutschlands für die Spiele 2012 begleiten wolle. »Ein faszinierendes Projekt und genau mein Metier«, erinnert sich der Spitzensportler. Er nahm die Herausforderung sofort an und gründete 2001 die Unternehmensberatung Tröger Marketingstrategie.

Sport, Medien und Wirtschaft

Mit Weitsicht und Geschick baute Tröger sein Netzwerk aus und definierte »das Gerüst, wie ich mich künftig aufstellen wollte«. Er nennt es das Dreigestirn aus Sport, Medien und Wirtschaft. Der Kontakt zu federführenden Personen und der tiefe Einblick in die Verzahnung der drei Bereiche ermutigten ihn zur Promotion mit dem Thema »Olympia – im Spannungsfeld zwischen Mythos und Marke«. Darauf ist er ein wenig stolz, »das hat nicht jeder«. Tröger sieht seine Position gefestigt: »Ich habe Kontakte, die andere nicht haben, kann Verbindungen herstellen und Brücken bauen, die andere nicht sehen, um Mehrwert für meine Kunden zu generieren.«

Wiesnstammtisch zur Netzwerkpflege

Unterschiedliche Menschen miteinander zu vernetzen, ist auch das Ziel seines Olympia-Stammtisches auf der Wiesn. Der ehemalige Vizepräsident der Deutschen Olympischen Gesellschaft lädt hierzu regelmäßig 50 bis 60 Sportler, Medienvertreter und Politiker zum ungezwungenen Austausch ein – »wunderbare Netzwerkpflege«, wie Tröger das nennt – jetzt hofft er nach zweijähriger Pause wegen der Coronapandemie aufs nächste Jahr.

Wie im Sport will Tröger sich auch beruflich weiterentwickeln: »Stillstand war nie eine Option.« Durch sein Olympia-Engagement gewann er weitere Kunden wie die BayWa AG, der Tröger beispielsweise ein Engagement beim FC Bayern vermittelte.

»Was können wir dem Sport zurückgeben?«

Ein Gedanke bewegt ihn und seinen ehemaligen Olympiateam-Kollegen Konstantin Dubrovinaußerdem: »Was können wir dem Sport zurückgeben?« Der klassische Trainerjob kam für beide nicht infrage. Also gründeten sie 2002 gemeinsam die Schwimmschule Aquatics in Sauerlach, um die Faszination des Schwimmens an den Nachwuchs weiterzugeben. Bald kamen auch Kurse für Erwachsene und für Triathleten hinzu. »Wir hatten bereits vor Corona volle Auslastung und könnten jetzt unsere Kurse mehrfach besetzen«, freut sich Tröger.

Wegen begrenzter Wasserflächen und fehlender Trainer kann er die extrem hohe Nachfrage, die durch den Lockdown entstanden ist, allerdings nicht vollständig bedienen. »Viele Kinder werden jetzt gar nicht oder erst später schwimmen lernen«, bedauert er und fordert von den Kommunen den Ausbau und die Sanierung von (Schul-)Schwimmbädern sowie die Bereitstellung von mehr Wasserfläche. Schließlich leisteten er und sein Partner einen wichtigen gesamtgesellschaftlichen Beitrag. Tröger: »Wir sorgen dafür, dass Kinder nicht ertrinken.«

Zur Person Christian Tröger

Christian Tröger, Jahrgang 1969, war zweimal Weltmeister und gewann dreimal Bronze bei Olympischen Spielen. Sein Studium der Betriebswirtschaftslehre ergänzte er mit einer Promotion. Nach seiner Karriere im Spitzensport ist er mit Tröger Marketingstrategie als Coach und Unternehmensberater selbstständig und verbindet dabei die Themen Sport, Wirtschaft und Medien. 2002 gründete er mit einem Kollegen die Schwimmschule Aquatics in Sauerlach bei München. 2004 bis 2018 war Tröger außerdem Vizepräsident der Deutschen Olympischen Gesellschaft. Christian Tröger ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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