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Vorreiter aus Oberbayern – 2025 Deutscher Nachhaltigkeitspreis

Frank Fendler ©
Ehrung für Gewinner – DNP-Preis

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis zeichnet 100 Unternehmen aus ganz Deutschland für ihre nachhaltigen Ideen aus. Sechs Preisträger kommen aus Oberbayern.

Von Gabriele Lüke, IHK-Magazin 04/2025

Eine geballte Ladung nachhaltiger Ideen: 100 Unternehmen aus 100 Branchen haben den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2025 (DNP) entgegengenommen. Er wurde bereits zum 17. Mal verliehen. Unter den Preisträgern sind sechs Firmen aus Oberbayern. „Die nachhaltige Transformation der Wirtschaft ist eine anspruchsvolle Aufgabe, sie braucht Aushängeschilder und Vorbilder“, sagt Gerti Oswald, CSR-Verantwortliche bei der IHK für München und Oberbayern. „Die großartigen Preisträger zeigen, dass jede Branche, jedes Unternehmen einen Beitrag leisten kann.“

KI-unterstützte Kandidatensuche

Träger der Auszeichnung ist die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. Bei Konzeption und Durchführung des Wettbewerbs arbeitet der DNP unter anderem mit der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), dem WWF Deutschland, der Leuphana Universität Lüneburg sowie Industrieverbänden zusammen. Unternehmen können sich auf den Preis bewerben; weitere Nominierungen erfolgen auf Basis einer KI-unterstützten Recherche. 224 Fachjuroren aus Forschung, Verbänden, Beratung und Zivilgesellschaft bestimmen die Preisträger. 

Zusätzlich werden branchenübergreifend vorbildliche Unternehmen in den Transformationsfeldern Klima, Ressourcen, Natur, Wertschöpfungskette und Gesellschaft ausgezeichnet. Die ausgezeichneten Unternehmen aus Oberbayern stellen wir im Folgenden vor.

 


Kategorie „Obst-, Gemüse- und Getreideverarbeitung“ und „Transformationsfeld Natur“ – Barnhouse GmbH

Knusper-Müsli vom Bio-Pionier

„Die Bio-Rohstoffe für unser Knusper-Müsli waren damals gar nicht einfach zu beschaffen“, sagt Marketingleiter Andreas Bentlage mit Blick auf die Gründungsphase der Barnhouse Naturprodukte GmbH in den 1970er-Jahren. „Die Bio-Bewegung fing ja gerade erst an.“ Die beiden Firmengründer ließen sich davon jedoch nicht abhalten. Sie begannen mit der Produktion im eigenen Backofen zu Hause und bauten die Fertigung dann aus.

Biodiversität im Fokus

Mittlerweile ist „Bio“ in Landwirtschaft und Lebensmittelbranche ein wichtiger Geschäftszweig. Das Unternehmen aus Mühldorf am Inn bezieht heute Dinkel und Hafer ausschließlich von 90 Bio-Bauern aus der Region. Das Saatgut stammt aus ökologischer Züchtung, das Korn wächst in Mischkulturen zum Beispiel mit blühendem Leindotter. „Das ist wichtig für die Böden und fördert die Biodiversität“, erklärt Bentlage. 

Auch importierte Zutaten wie Kakao oder Haselnüsse stammen aus biologischem und fairem Anbau. Barnhouse ist „We Care“-zertifiziert – dieser Nachhaltigkeitsstandard bezieht sich unter anderem auf die gesamte Lieferkette. „Haselnüsse wachsen eigentlich auch hierzulande“, sagt der Marketingleiter. „Unser Wunsch wäre, dass sie auch in Bio-Qualität wieder mehr in Deutschland angebaut werden – das ist gut für die Natur und verkürzt die Wege.“

 


Kategorie „Persönliche Dienstleistungen“ – ZER-O-WASH

Meere retten mit Mikroperlen

Mit ihrer Wäscherei ZER-O-WASH in Geretsried setzt Lidia Zoumis seit 2021 ein Zeichen für nachhaltiges Waschen. Dabei nutzt sie eine innovative Technologie: Mikroperlen massieren den Schmutz aus den Fasern und sparen bis zu 80 Prozent Wasser, 50 Prozent Waschmittel und 50 Prozent Energie. Nach 1.000 Waschzyklen werden die Kügelchen recycelt. „Die Waschmittel in unseren Maschinen sind dabei selbstverständlich ökologisch abbaubar“, ergänzt die Unternehmerin. 

Fusseln als Rohstoffe

Zugleich geht Zoumis das Thema Mikroplastik an: Rund ein Drittel des Mikroplastiks in den Weltmeeren wird beim Waschen von synthetischen Textilfasern freigesetzt. „Wir werden nun in einem Pilotprojekt in unseren Gewerbewaschmaschinen einen Mikroplastikfilter einsetzen, der 99 Prozent des Mikroplastiks herausfiltern kann“, freut sich Zoumis. Und das ist noch nicht alles: „Eine weitere Initiative ist, dass wir die Fusseln, die in den Trocknern anfallen, auffangen und als Rohstoff in den Produktkreislauf zurückbringen“, erläutert die Unternehmerin. Nicht zuletzt bezieht sie Ökostrom und setzt klimaneutrale Folien aus Kartoffelschalen zur Verpackung ein. 

„Wir sind überzeugt, dass wir mit unserem Ansatz die Wäschereibranche deutlich nachhaltiger machen können“, sagt Zoumis. „Bei allem, was wir erreicht haben, ist das für uns doch nur der Anfang – wir haben noch viel vor!“ 

 


Kategorie „Kunststoff- und Gummiindustrie“ – Brückner Group SE

Gemeinsam gegen Plastikmüll

„Weltweit gibt es viel zu viel Plastikmüll. Wir als Hersteller von kunststoffverarbeitenden Maschinen können einen entscheidenden Beitrag zu seiner Reduktion leisten, indem wir die drei R – reduce, reuse, recycle – von vornherein mitdenken“, betont Adina Mittmannsgruber, Nachhaltigkeitsbeauftragte der Brückner Group SE in Siegsdorf. 

Gemeinsam mit Partnern und Kunden in aller Welt forscht das Unternehmen an innovativen Lösungen: Inzwischen stellt die Gruppe Produktionsanlagen für deutlich dünnere Folien und leichtere Verpackungen her. Diese ermöglichen die Verwendung von über 30 Prozent Rezyklat. „Das spart Rohstoffe und ergibt weniger Abfälle“, sagt Mittmannsgruber. 

Weltweit Kreisläufe anstoßen

Zugleich denkt die Brückner Group in Alternativen. So nahm sie eine Maschine ins Programm, die Verpackungen aus 100 Prozent recycelbarem Zellstoff herstellt. „Ein weiterer Beitrag zur Nachhaltigkeit: Wir haben den Energiebedarf unserer Folienstreckanlagen über die Jahre um 50 Prozent gesenkt und reduzieren so CO2.“ 

Außerhalb des Maschinenbaus engagiert sich die Brückner Group ebenfalls. Unter anderem ist sie der „Alliance to End Plastic Waste“ beigetreten, die den weltweiten Aufbau von Sammel- und Recyclingstrukturen für Plastikmüll unterstützt. „So fördern wir eine Kreislaufwirtschaft über den Produktionsprozess hinaus“, sagt die Nachhaltigkeitsbeauftragte. 

 


Kategorie „Elektrotechnik und Elektronik“ – Infineon Technologies AG

Bausteine der Energiewende

„Nachhaltigkeit gehört seit der Gründung zu unserer Unternehmenskultur“, betont Corinna Wolf, Head of Global Sustainability bei der Infineon Technologies AG in Neubiberg. „Das zeigt sich einerseits in unseren Chips: Sie sorgen für Effizienz in Solar- und Windkraftanlagen, Rechenzentren oder E-Autos, unterstützen so die Dekarbonisierung und Digitalisierung, sie sind wesentliche Bausteine der Energiewende.“ 

Andererseits wird die Nachhaltigkeit auch auf Unternehmensebene systematisch vorangebracht. So will Infineon bis 2030 CO2-neutral sein: Der Halbleiterhersteller senkte die eigenen Emissionen (Scope 1 und 2) bereits um zwei Drittel gegenüber 2019. Nun werden auch die Lieferanten (Scope 3) in den Klimaschutz eingebunden. 

Zweites Leben ermöglichen

Aktuell wird weltweit bereits zu 90 Prozent Grünstrom genutzt, 2025 sollen es 100 Prozent werden. Neue Werke wie das in Dresden erhalten von vornherein modernste Umwelttechnologie. Zudem treibe Infineon die Kreislaufwirtschaft voran, ergänzt Wolf: „Wir reduzieren Abfälle, stellen die mehrfache Verwendung von Wasser oder Lösungsmitteln sicher und kooperieren mit Lieferanten oder Start-ups, um Verwurfswafer zu recyceln oder Batterien ein zweites Leben zu geben.“ 

Im sozialen Bereich führte Infineon ein Menschenrechts-Managementsystem ein, verpflichtet die Mitarbeitenden weltweit zu Menschenrechtsschulungen und kontrolliert unter anderem die Einfuhr von Konfliktmineralien.

 


Kategorie „Verpackungen und Produkte“ – Landpack GmbH

Stroh statt Styropor

Schon lange haderte Patricia Eschenlohr mit Styroporverpackungen: „Sie werden in der Regel nur einmal genutzt, dann entsorgt. Das schadet der Umwelt immens“, sagt sie. „Stroh hat dieselben Eigenschaften, schützt und dämmt.“ Mit der Landpack GmbH in Alling gingen sie und ihr Mann Thomas die Idee an, Stroh als Styroporersatz aufzubereiten. 

Entsorgung im Bio-Müll

Eine eigens entwickelte und patentierte Produktionslinie formt und verdichtet das Stroh ohne chemische Klebe- und andere Bindemittel. Dann wird das Stroh zu Isoliermaterial in Verpackungen oder zu Dämmmaterial im Bau verarbeitet. Hat es seinen Dienst getan, kann es im Biomüll entsorgt werden und dient der Biogas- und Kompostgewinnung. „Die Nährstoffe kommen damit partiell auf die Felder zurück. Das ist ein echter Kreislauf.“ 

Verglichen mit einer entsprechenden Styroporbox kommt die Strohbox in der Produktion auf deutlich weniger CO2-Emissionen und einen wesentlich geringeren Energieeinsatz. „Wir sind hier bei einem Minus von jeweils rund 95 Prozent“, so Eschenlohr. Auch jenseits ihres Produkts ist ihr die Nachhaltigkeit wichtig: „Wir nutzen erneuerbare Energien, arbeiten mit Bauern in der Region zusammen, zahlen faire Preise.“

 


Kategorie „Vermögensverwaltung und Beteiligungsgesellschaften“ – BonVenture Management GmbH

Investitionen in die Transformation

Transformative Ideen brauchen Kapital, die ihre Umsetzung ermöglichen. Aus diesem Grund wurde 2003 die BonVenture Management GmbH gegründet. „Als wirkungsorientierte Investitionsgesellschaft mobilisieren wir Kapital als Katalysator für gesellschaftliche und ökologische Veränderung. Dabei unterstützen wir Gründerinnen und Gründer, die in den Bereichen Klima, nachhaltiger Konsum, Bildung und Gesundheit echten Wandel vorantreiben“, erklärt Anna Sophie Blistein, Partnerin bei BonVenture. „Als Impact Pionier gestalten wir den Markt seit über 20 Jahren aktiv mit.“ 

Impact wird belegt 

In dieser Zeit hat das Unternehmen in mehr als 60 Impact-Unternehmen investiert, die eine positive Wirkung auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt haben. Darunter sind Start-ups, die das Batterierecycling voranbringen, die Abfallwirtschaft digitalisieren, die Nachhaltigkeit bei der Nahrungsmittelproduktion verbessern oder Betreuungsangebote für Kinder mit besonderen Bedürfnissen etablieren. Aktuell ist der fünfte Fonds in Vorbereitung. 

Wichtig ist BonVenture die Messbarkeit. „Wir prüfen jedes Unternehmen, in das wir investieren, im Vorfeld sehr genau und entwickeln individuelle Impact-Kennzahlen, um die tatsächliche Wirkung transparent belegen zu können“, sagt Blistein. „Finanzieller Return und Impact sind miteinander vereinbar, so bringen wir gemeinsam die ökologisch-soziale Transformation voran.“

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