Betrieb + Praxis | Mobilität

Strom für den Fuhrpark

Animaflora PicsStock ©
Tank aufladen – das geht auch auf dem Firmenparkplatz

Die Zahl der Elektrofahrzeuge wächst. Viele Unternehmen integrieren sie in ihre Wagenflotte oder beschäftigen Mitarbeiter mit E-Autos. Aber was ist mit der passenden Infrastruktur? Nützliche Infos rund ums Laden.

Josef Stelzer, Ausgabe 05/2021

Mit seinem Elektroauto und dessen Reichweite ist Unternehmer Arne Meusel zufrieden. »Ich fahre seit 2013 rein elektrisch rund 15.000 bis 20.000 Kilometer pro Jahr, tanke nur an öffentlichen Ladesäulen und bin noch nie mit leerer Batterie stehen geblieben«, berichtet der Geschäftsführer der Cirrantic GmbH. Das Münchner Unternehmen erstellt den Ladeatlas Bayern, der die öffentlich zugänglichen Lademöglichkeiten im Freistaat erfasst, aktualisiert und online verfügbar macht, etwa für SmartphoneNavigationsdienste, öffentliche Register, Apps, Navigationssysteme im Auto oder Webseiten. Dem Ladeatlas zufolge standen in Bayern Mitte Februar 2021 rund 4.800 öffentlich zugängliche Ladeorte mit etwa 11.000 Ladepunkten zur Verfügung. Tendenz weiter steigend.

Dem 45-jährigen Firmenchef genügen die öffentlichen Lademöglichkeiten für die täglichen Fahrten ins Büro ebenso wie für Langstrecken und sogar für Urlaubsfahrten. Das Bezahlprozedere klappt nach seinen Erfahrungen mittlerweile problemlos. Mit der Cirrantic-App erkenne er unterwegs auf einen Blick, welche Bezahlfunktionen mit Lade-Apps oder Karten an den Ladesäulen möglich sind. Um die Stromkosten an öffentlichen Säulen möglichst niedrig zu halten, rät Meusel bei der Auswahl der Energieversorger, Netzbetreiber und Bezahldienste, deren Tarife anhand der eigenen Fahrprofile zu vergleichen.

Vielen Unternehmern genügen die öffentlichen Ladesäulen jedoch nicht. Sie benötigen vielmehr eine eigene Infrastruktur für ihren Fuhrpark. Welche Lösungen sind geeignet und mit welchen Kosten ist zu rechnen? Jochen Schneider, Geschäftsführer des Münchner Energiedienstleisters coneva GmbH, empfiehlt, im ersten Schritt die betrieblichen Gegebenheiten zu ermitteln: »Zunächst muss natürlich klar sein, wie viele Autos man laden will und wo geladen werden soll, etwa auf dem Firmenparkplatz oder in der Tiefgarage.« Sinnvoll könne ein Lade- und Lastmanagement sein, das auf die Regelung der Ladeleistung je Ladepunkt sowie auf die Optimierung der Netzbezugsleistung aus der Kombination aller Stromverbraucher und -erzeuger auf einem Firmenareal abzielt. Damit lassen sich typische Lastspitzen etwa am Vormittag und am späten Nachmittag sowie die damit verbundenen Netzkosten mit womöglich höheren Strompreisen vermeiden.

Auch Vorteil bei der Personalsuche

Elektrofahrzeuge können gegenüber vergleichbaren Verbrennern mit niedrigeren Betriebskosten punkten. »Das gilt vor allem dann, wenn selbst erzeugter Strom, etwa durch eine Photovoltaikanlage, zum Laden zur Verfügung steht«, sagt Schneider. Sein Unternehmen unterstützt Firmen beim Aufbau einer eigenen Ladeinfrastruktur und beim kostenoptimierten Betrieb sowie bei der Beantragung von Fördermitteln. Schneider ist überzeugt: »Durch Elektrifizierung ihrer Firmenflotten, womöglich mit eigener Ladeinfrastruktur, bringen die Unternehmen neue Technologien voran, helfen bei der Energiewende und positionieren sich als umweltbewusst, nachhaltig und klimafreundlich.« Dadurch könnten sich sogar Vorteile bei der Personalsuche ergeben, weil Bewerber oft Arbeitgeber bevorzugen, die ihren Fuhrpark auf Nachhaltigkeit ausrichten und Lademöglichkeiten zur Verfügung stellen.

Zwei unterschiedliche Lade- und Kostenlösungen

Grundsätzlich lassen sich zwei Ladelösungen unterscheiden. Für eher langsames Laden reicht Wechselstrom (AC) aus. Schnellladestationen mit Gleichstrom (DC) stellen weitaus höhere Ladeleistungen bereit und können die Batterien von Elektrofahrzeugen oft schon binnen 30 Minuten oder schneller aufladen, sie sind aber ungleich teurer.

»Wechselstromgeräte gibt es ab etwa 1.500 Euro einschließlich Installation, für einen Schnelllader ist mit Kosten von mindestens 30.000 Euro zu rechnen«, erläutert Olaf Becker, der deutschlandweit für die E-Mobility-Dienstleistungen der Münchner BayWa r.e. Operation Services GmbH zuständig ist. Für Fuhrparks reicht es seiner Erfahrung nach aus, pro E-Fahrzeug einen Ladepunkt zur Verfügung zu stellen.

Becker empfiehlt für Ladegeräte, die im Freien als Wallbox an die Wand montiert oder als Standsäule befestigt sind, eine Überdachung. Dies sei für Mitarbeiter und Kunden, die ihre E-Fahrzeuge bei schlechtem Wetter nachladen, angenehmer.

»Sinnvoll kann es sein, auch bei den Mitarbeitern zu Hause Ladegeräte zu installieren, sodass sie morgens mit vollen Batterien losfahren können«, sagt Becker. »Dank Lademanagement gewinnen sie einen kompletten Überblick über alle Ladevorgänge an ihren Säulen und Wallboxen samt allen Kosten, jeder einzelne Ladevorgang ist nachvollziehbar.«

IHK-Service: Schnellladegesetz - Power für die Langstrecke

Das Bundeskabinett hat am 10. Februar 2021 den Gesetzentwurf zur Bereitstellung flächendeckender Schnellladeinfrastruktur für rein batteriebetriebene Elektrofahrzeuge beschlossen (Schnellladegesetz – SchnellLG).

  • Die geplanten Schnelllader mit jeweils mindestens 150 Kilowatt sollen die Langstreckentauglichkeit von Elektrofahrzeugen aufgrund erheblich verkürzter Ladezeiten deutlich verbessern. Dabei müssen die Standorte stets öffentlich sowie rund um die Uhr zugänglich sein, wobei die Stationen auf öffentlichen oder privaten Grundstücken liegen können. Vorgesehen sind bundesweit 1.000 Ladeparks.
  • Voraussichtlich im Sommer 2021 wird die europaweite Ausschreibung zum Aufbau und für den Betrieb des öffentlichen Schnellladenetzes starten. Auch mittelständische Unternehmen können sich daran beteiligen. Das ChargInGermany-Konsortium mit der Münchner BayWa r.e.Operation Services GmbH und weiteren Unternehmen hat bereits seine Teilnahme an der Ausschreibung angekündigt.
  • Die Betreiber werden verpflichtet sein, die Ladesäulen in genau definierten Regionen in einem festgelegten zeitlichen Rahmen und mit bestimmten Standards zu errichten.

Weitere Informationen, zum Beispiel das IHK-Merkblatt »Kostengünstige Ladeinfrastruktur für Unternehmen« sowie das IHK-Canvas E-Mobilität, bietet die E-Mobilitätsthemenseite der IHK.

Verwandte Themen