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Warten auf die B16 neu

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Dichter Verkehr, nicht nur zu Stoßzeiten – B16

Die durchgehende Erweiterung der B16 zur dreispurigen Ost-West-Verbindung kommt seit Jahren nicht voran. Unternehmen beklagen massive Nachteile und drängen auf einen raschen Ausbau.

Stefan Bottler, Ausgabe 12/2021

Sie startet im Oberpfälzer Wald nahe Roding Richtung Südwesten, passiert Regensburg, Ingolstadt, Neuburg an der Donau und Donauwörth, biegt bei Günzburg in den Süden ab und endet im Allgäu bei Füssen. Über rund 340 Kilometer hinweg verbindet die B16 wichtige Wirtschaftsstandorte in Südbayern und ist Tangentialstraße zu den Autobahnen A93 (Hof), A9 (Nürnberg), A8 (Stuttgart) und A96 (Lindau).

Weil die größtenteils zweispurige Bundestraße vielerorts ein überdurchschnittlich hohes Verkehrsaufkommen aufweist, haben Bund und Freistaat sich bereits vor Jahrzehnten auf einen kreuzungsfreien Ausbau mit mindestens drei Spuren verständigt. Allerdings wurde bislang nur die Trasse von Roding bis Regensburg erweitert. Sie heißt jetzt B16 neu. Auf den weiteren Abschnitten sind lediglich Ortsumfahrungen realisiert worden.

Eine durchgehende B16 neu lässt hingegen weiter auf sich warten, obwohl der Bundeswegeplan 2030 den Ausbau in den »vordringlichen Bedarf« eingestuft hat, ihm also höchste Priorität einräumt.

Gemeinsames Positionspapier von drei Kammern

Jetzt machen die Industrie- und Handelskammern Druck. In einem gemeinsamen Positionspapier fordern Ausschüsse und Gremien der IHK für München und Oberbayern, der IHK Regensburg für Oberpfalz/ Kehlheim und der IHK Schwaben den »zeitnahen, schrittweisen, durchgängigen und mindestens dreispurigen« Aus- und Umbau der einzigen Ost-West-Verbindung in Südbayern.

»Nur so kann das gestiegene Verkehrsaufkommen bewältigt werden und nur so wird gewährleistet, dass sich Pkw-Verkehre, leichte Nutzfahrzeuge und Schwerverkehre nicht gegenseitig behindern«, schreiben die IHKs.

Eine Verkehrszählung von 2015 ermittelte, dass in einzelnen Abschnitten mehr als 3 000 schwere Nutzfahrzeuge am Tag unterwegs sind. Das entspricht dem Lkw-Aufkommen von Autobahnen. »Mittlerweile dürften die Zahlen weiter gestiegen sein«, sagt Tobias König, Referent der IHK für München und Oberbayern.

Vor allem zwischen Regensburg und Günzburg haben sich neuralgische Punkte weiter verschärft. An wenigstens einem Dutzend Straßenabschnitten stehen nahezu an jedem Werktag Fahrzeuge im Stau. Viele Unternehmen wissen von Mitarbeitern und Lieferanten zu berichten, die regelmäßig verspätet an ihren Standorten eintreffen und mehr Zeit als vorgesehen für Rückfahrten und Auslieferungen einplanen müssen.

Immer mehr Unternehmen schließen sich der IHK-Initiative an

Über 200 Unternehmen haben das IHK-Papier bereits unterzeichnet, Tendenz steigend. Auch die großen Konzerne Airbus und Audi haben sich der IHK-Initiative angeschlossen.

»Die B16 ist als regionale Verkehrsader für unseren Standort von herausragender Bedeutung«, betont Georg Munnes, Werkleiter von Airbus Defence and Space GmbH in Manching. »Als einzige Ost-West-Achse ist sie eine zentrale Straßenverbindung für unsere Lieferanten in der Region und außerdem die tägliche Pendelstrecke für sehr viele Mitarbeiter.« Wenn Staus auf der B16 Einschränkungen im Betrieb nach sich zögen, sei dies ärgerlich und führe auch bei den Kunden zu Unzufriedenheit. »Für einen wachsenden Standort wie Manching ist eine gut ausgebaute und leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur ein sehr wichtiger Standortfaktor«, bekräftigt Munnes.

Rund 5.600 Airbus-Angestellte entwickeln und bauen am Standort Manching militärische Flugsysteme. Hinzu kommen mehrere hundert Soldaten der Bundeswehr und Mitarbeiter von wehrtechnischen Dienststellen, die ebenfalls regelmäßig über die B16 zum Airbus-Standort fahren.

Drei Spuren ohne Kreuzungen gefordert

Aber auch immer mehr mittelständische Unternehmen der Region klagen über betriebliche Beeinträchtigungen als Folge des zähen Verkehrsflusses. Vor allem produzierende Betriebe, die ihren Mitarbeitern oft kein Homeoffice anbieten können, wünschen eine schnelle Realisierung der B16 neu.

»Mit mehreren Hundert An- und Auslieferungen pro Tag sind wir voll auf eine funktionierende B16 angewiesen«, sagt Manfred Hoffmann, Geschäftsführer der Sonax GmbH (Hoffmann Group) in Neuburg an der Donau. Vor allem aus Richtung Donauwörth haben die Verkehre in den letzten Jahren stark zugenommen. Am liebsten wäre dem Familienunternehmer eine Trasse mit vier Spuren. Aber er wisse natürlich auch, dass Forderungen nach dem Ausbeziehungsweise Neubau von Straßen alles andere als populär sind. »Mit drei Spuren wird sich die Situation spürbar entspannen«, ist Hoffmann überzeugt.

Auch die IHKs halten einen kreuzungsfreien Aus- beziehungsweise Umbau auf diesem Niveau für ausreichend. Ausdrücklich erinnert ihr Papier an die vielen überregionalen Lkw-Verkehre. Jede Ampel erfordere ein Abbremsen und Anfahren, was nicht nur die Fahrzeit verlängere, sondern auch Lärm verursache und die Luft belaste. »Wir haben unsere Forderungen sorgfältig abgewogen«, bekräftigt Elke Christian, Leiterin der IHK-Geschäftsstelle Ingolstadt.

Mögliche Verkehrsverlagerungen auf die Schiene wurden geprüft, zumal zwischen Regensburg und Günzburg parallel zur B16 die Donautalbahn fährt. Weil jedoch lediglich einzelne Trassenabschnitte zweigleisig ausgebaut sind, können die vorhandenen Schienengüterverkehre nicht gesteigert werden.

Noch mehr Argumente für Ausbau

Die Unterzeichner des Papiers plädieren im Übrigen vehement für Maßnahmen zum Lärmschutz und gegen Luftverschmutzung. »Überzeugende Lösungen dürfen am finanziellen Aufwand nicht scheitern«, heißt es in dem Papier. Auch die Verkehrssicherheit spricht für den Aus- und Umbau. Regelmäßig macht die B16 mit schweren Unfällen Schlagzeilen, weil Verkehrsteilnehmer ein Stauende übersehen oder an unübersichtlichen Stellen überholen.

»Eine kreuzungsfreie Abfahrt zum Werk unterstreicht unser Selbstverständnis und unseren Anspruch in puncto Sicherheit sowohl auf der Straße als auch in der Luft«, betont Helmut Färber, Standortleiter von Airbus Helicopters Deutschland GmbH in Donauwörth.

Solche und weitere Argumente haben Unternehmer der Region am 12. November 2021 auch der bayerischen Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) vorgetragen. »Wir planen zeitnah weitere Treffen mit verantwortlichen Verkehrspolitikern«, kündigt IHK-Geschäftsstellenleiterin Elke Christian an.

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