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Online sichtbar werden!

Elsa Mark ©
Geschäftsidee beim Gassigehen – Unternehmerin Anna-Maria Jansen mit Hund Ruby

Ohne Dependance in der digitalen Welt kommen die meisten Unternehmen heute kaum mehr aus. Wie Firmen ihre Sichtbarkeit im Internet steigern können. Mit Tipps zur Initiative "ZukunftsChancen".

MELANIE RÜBARTSCH, Ausgabe 05/2022

Der Paketbote liefert neue Ware. In dieser Woche ist es die dritte Sendung, die Anna-Maria Jansen von einer ihrer fünf Schneiderinnen aus München und dem Allgäu erhält. Die 32-Jährige stellt die Pakete erst einmal in den Flur. Später sortiert sie den Inhalt in die drei Kellerregale, die seit Kurzem in ihrem Wohnzimmer stehen. Handgenähte Hundedecken, Bauchtaschen, Schleppleinen und robuste Cordschlaufen für Kaffeebecher lagern dort. Alles Bestandteile für »FOXC«, eine Tasche für Hundebesitzer, die die Münchnerin entworfen hat und seit Mitte Dezember über den eigenen Onlineshop verkauft.

Mit 32 schon ihr 2. Start-up

Jansen betreibt den Shop neben ihrem Teilzeitjob als Programmiererin. Es ist bereits ihr zweites Start-up. 2019 hatte sie mit drei Kolleginnen gesundheitsorientierte Bewegungswettbewerbe für Unternehmen konzipiert und dort ihre langjährige Erfahrung im Onlinemarketing eingebracht. Corona verordnete dieser Geschäftsidee eine Zwangspause. Aber Stillstand kennt Jansen nicht: »Ich habe kurzerhand eine Fortbildung zur Programmiererin gemacht.«

Geschäftsidee beim Gassigehen

Zudem hat sie sich Ruby gekauft – einen hochaktiven griechischen Straßenhund. »Bei den Runden mit Ruby fehlte mir eine ganz praktische Lösung, wie ich Leine, Decke, ein Handtuch, Leckerlis und meinen Kaffee transportieren kann und trotzdem noch immer die Hände frei habe. So entstand die Idee zur Gassitasche«, berichtet sie.

Anfang Dezember 2021 baute sie eine erste MVP-Version (Minimal Value Product) ihres Shops, um die Nachfrage zu testen. Mitte März folgte dann die optimierte, kostenintensivere Version, in der sie die Produkte richtig abbilden und auf die bis dahin ermittelten Bedürfnisse ihrer Kunden eingehen konnte.

Conversion Rate bereits bei zwei Prozent

Bis Anfang März hatte sie rund 350 Bestellungen und einen Umsatz von etwa 44.000 Euro verbucht. Ihre Conversion Rate, also die Rate der »Shopbesucher, die nicht nur gucken, sondern auch kaufen, lag da bereits bei zwei Prozent – ein recht guter Wert. »Ich habe offenbar einen großen Bedarf entdeckt und die Interessenten schnell auf mich aufmerksam machen können«, freut sich die Unternehmerin.

Erhebliche Fortschritte bei Digitalisierung

Ohne eine eigene digitale Dependance und Grundkenntnisse im Onlinemarketing kommen Unternehmer heute kaum mehr aus. »Deutschland hat bei der Digitalisierung insbesondere in den vergangenen Monaten erhebliche Fortschritte gemacht. Die Akzeptanz von Onlineangeboten ist deutlich gestiegen. Das wiederum steigert den Bedarf an digitaler Kompetenz auch bei Unternehmern«, sagt Franziska Neuberger, Leiterin des Referats Digitalisierung und IKT bei der IHK für München und Oberbayern.

4 Wochen kostenfreie Weiterbildung mit "ZukunftsChancen"

Auch aus diesem Grund hat die IHK gemeinsam mit der Google Zukunftswerkstatt und der Mittelstand Bildungsallianz das vierwöchige Weiterbildungsprogramm »ZukunftsChancen« initiiert. Das Angebot, das viel Input gerade für Unternehmerinnen enthält, umfasst verschiedene Webinare und Präsenzveranstaltungen rund um das Thema Digitalkompetenz und Onlinesichtbarkeit.

»Einfach loslegen«

Für Christian Spancken, Digitalexperte und einer der Speaker bei der Bildungsinitiative, lautet die wichtigste Regel in Sachen Onlinesichtbarkeit: einfach loslegen. »Insbesondere Unternehmerinnen neigen leider oft dazu, zu hohe Ansprüche an ihren Onlinestart zu stellen, sie wollen zu perfekt sein«, beobachtet er.

In der Onlinewelt gelte aber: ausprobieren, das Nutzerverhalten beobachten und anpassen. Aus Fehlern lerne man. Für die eigene Webpräsenz sei es wesentlich, genau zu überlegen, wie die Zielgruppe tickt. Was erwarten die Kunden von einem bestimmten Produkt oder einer angebotenen Dienstleistung? Welche praktischen Fragen könnten Sie haben? Und welche Informationen kann das Unternehmen dazu liefern? Genau das muss dann direkt auf der Website stehen«, rät Spancken.

Viel Input für Suchalgorithmus

Oder anders ausgedrückt: Ein Unternehmen müsse sich immer fragen, wie seine Website für eine bestimmte Suchmaschinenfrage zum besten Ergebnis werden kann. »Es gilt, möglichst viel Input zu schaffen, bei dem sich der Suchalgorithmus verfangen kann«, so der Experte. Unternehmen kombinieren dafür ein Produktangebot am besten mit einer Beratung oder mit Zusatzinformationen. Ein Weinverkäufer gibt zum Beispiel Tipps, welches Essen zum Wein passt; die Anbieterin von Partylocations hat Checklisten zur individuellen Eventplanung parat.

Crossmediale Inhalte

Sinnvoll ist es zudem, Inhalte über verschiedene Medien aufzubereiten. Ein Kunde liest vielleicht gern, der andere schaut lieber Videos, die nächste mag grafische Produkterklärungen. Ähnliches gilt für die Kanäle, die Unternehmen neben der Website bespielen. Wo sind die möglichen Kunden unterwegs? Wollen sie lieber viele neue Fotos auf Instagram sehen oder bevorzugen sie Erklärvideos auf einem YouTube-Kanal?

Um bei einer Internetsuche weiter oben auf der Ergebnisliste zu landen, gibt es einfache Mittel wie zum Beispiel das kostenlose Unternehmensprofil auf Google. Hier können Firmen die Infos (Adresse, Öffnungszeiten, Bilder) zu Geschäft, Betrieb oder Restaurant aktiv verwalten, die bei einer Google-Suche angezeigt werden, ohne dass Nutzer auf die Internetseite des Anbieters gehen müssen. Wer bei Google außerdem Anzeigen bucht, nimmt an einer Auktion um die obersten Plätze der Suchergebnisse teil.

Kombis zur Suchmaschinenoptimierung

Unternehmerin Jansen hat sich bei ihrem Start für eine Kombi zur Suchmaschinenoptimierung entschieden. »Konkret für meine Marke FOXC habe ich eine Anzeige gebucht, sodass meine Seite bei der Eingabe des Namens automatisch oben auftaucht«, erklärt sie. Zwei Modelle ihrer Kollektion bietet sie zudem unter dem Oberbegriff »Gassitasche« über Etsy an, einen Onlinemarkt für handgemachte Produkte. Jansen: »Auf diese Weise wird mein Produkt auch über den Suchbegriff ›Gassitasche‹ schnell gefunden – ich nutze einfach die Reichweite, die Etsy bereits hat.«

Nutzer kennenlernen

Steht der Content, gilt es, die Nutzer immer besser kennenzulernen. »Hierzu sind einerseits Webanalysen hilfreich«, sagt Experte Spancken. Der Digitalunternehmer müsse verstehen, was sich die Nutzer anschauen, wo sie hängen bleiben oder vielleicht auch wieder abspringen. »Andererseits hilft es, in den Austausch mit den Nutzern zu kommen.«

Genau darüber konnte Jansen ihren Onlineshop weiter verbessern. »Am Anfang haben viele Interessenten gefragt, wie die Taschen eigentlich von innen aussehen. Also habe ich bei der zweiten Shopversion Innenfotos mit auf die Seite gestellt«, berichtet sie. Auch eine Anleitung, wie die einzelnen Taschenkomponenten zusammengesetzt werden, ist inzwischen auf der Seite zu finden. Stück für Stück baut die Münchnerin zudem an einer eigenen Community. Sie fragte zum Beispiel ihre ersten Kunden via Instagram, was sie davon halten, wenn in den Paketen zehn goldene Regeln fürs Gassigehen liegen.

»Der Erfahrungsaustausch ist extrem wertvoll«

Die Community nahm die Idee begeistert auf. »Der Erfahrungsaustausch ist extrem wertvoll, weil ich auf diese Weise auch heraushöre, welche neuen Taschenfeatures sinnvoll sein könnten«, sagt Jansen. Die Ideen kann sie dann selbst auf ihren morgendlichen Runden mit Ruby testen.

Bildungsintiative »Digitale Zukunftschancen«

Digitalisierung nutzbar machen, eigene Potenziale erkennen, digitale Chancen ergreifen und digital wachsen – zu diesen Themen bietet die IHK für München und Oberbayern in Kooperation mit der Google Zukunftswerkstatt und der Mittelstand Bildungsallianz kostenlose Webinare und Events an. Auf dem Programm stehen unter anderem »Das 1x1  des Onlinemarketings«, »Wie positioniere ich mich online?« oder »Suchmaschinenoptimierung für die Onlinepräsenz«. Ergänzt wird das Programm durch Stammtisch- und Netzwerktreffen.

Termin: 4. – 30. Mai 2022
Die Teilnahme ist kostenfrei.

Anmeldung und weitere Infos auf der IHK-Website zum Thema »Zukunftschancen«.

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