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Mobile Leidenschaft

Motorworld München ©
Viel Platz für Mobilität – Motorworld (Illustration)

Mitte November will die Motorworld München, eine Erlebniswelt rund um exklusive Sportwagen, Oldtimer und neue Mobilitätsangebote, eröffnen – trotz aktueller Coronakrise.

Eva Elisabeth Ernst, Ausgabe 09/20

Noch werkeln zahlreiche Bauarbeiter am Innenausbau. Doch bereits beim Betreten des historischen Gebäudes spüren Besucher, dass hier etwas Besonderes entsteht: Die Lokhalle 24 des ehemaligen Bahnausbesserungswerks in Freimann umfasst beeindruckende 24000 Quadratmeter Grundfläche, das ist etwa so groß wie drei Fußballfelder. An der höchsten Stelle ragt die Halle 18 Meter in den Himmel. Sie wird ab Mitte November 2020 das Herzstück der neuen Motorworld München bilden. Wegen der Unwägbarkeiten im Hinblick auf die Coronapandemie und die Abnahme des Baus durch die Behörden steht der exakte Eröffnungstermin noch nicht fest.

Mietermix rund um Mobilität

Die Grundstrukturen des neuen Event-und Kongresszentrums sind bereits erkennbar: Es wird Handelsflächen für Oldtimer, exklusive Sportwagen, Sammlerfahrzeuge und Motorräder sowie Showrooms für Zukunftskonzepte der Mobilität geben. Dazu kommen Manufakturen und Dienstleister rund um das Thema Mobilität. Anbieter von Lifestyle-Produkten, Mode und Accessoires sowie verschiedene Gastronomiebetriebe runden den Mietermix ab. Glasfronten erlauben den künftigen Besuchern Einblick ins Innere jedes Raumes. Vollkommene Transparenz bieten die sogenannten Glasboxen, in denen Oldtimerbesitzer ihre mobilen Schätze ausstellen und der Öffentlichkeit präsentieren.

Eine Million Besucher pro Jahr erwartet

Der Eintritt in die Motorworld München wird kostenlos sein. »Wir rechnen mit rund einer Million Besuchern jährlich«, sagt Arantxa Dörrié (52), Geschäftsführerin der MW Freimann Betriebs GmbH, ein Tochterunternehmen der Motorworld Group, das für den Betrieb in München-Freimann verantwortlich ist. »Die Zahlen der Motorworld Region Stuttgart, in der dieses Konzept schon seit 2009 sehr erfolgreich umgesetzt wird, zeigen, dass dies durchaus realistisch ist.« Zur Unternehmensgruppe, die unter dem Motto »Raum für mobile Leidenschaft« agiert, zählen die 2018 eröffnete Motorworld Köln-Rheinland sowie die Motorworld Manufakturen Berlin und Metzingen. Außerdem veranstaltet sie Oldtimermessen und -events.

Historische Industriegebäude mit moderner Nutzung

Auch in München bleibt man dem Konzept treu, historische Industriegebäude in moderne Treffpunkte der Mobilität mit Tagungs- und Eventflächen zu verwandeln. Neben den bereits bestehenden Eventhallen Zenith, Kesselhaus und Kohlebunker, die ebenfalls Teil der Motorworld München sind, werden in der Lokhalle ein Kongresssaal für rund 2.300 Personen sowie elf Tagungsräume für 20 bis 140 Personen untergebracht. Ein Vier-Sterne-Hotel der Ameron-Gruppe mit 156 Zimmern, Restaurant, Bar und Spa ist ebenfalls integriert. Das künftige Event- und Kongresszentrum will mit der guten Erreichbarkeit des Areals, nah an der U-Bahn-Station Kieferngarten und direkt an der Autobahn A9, punkten.

Lifestyle und Manufakturen

Anfang Juli 2020 waren bereits fast 90 Prozent der dafür vorgesehenen Flächen in der Motorworld München vermietet. »Derzeit sprechen wir noch mit Unternehmen, die das Angebot abrunden«, sagt Dörrié. »Gute Chancen haben insbesondere Lifestyleshops und Manufakturen mit Bezug zum Thema Mobilität.«

Virtuell fliegen

Christian Beckert (52) und Christian Rode (50), Gründer und Geschäftsführer der Cross Check GmbH, entschieden sich bereits 2018 dafür, mit ihrem Zentrum mit Flugsimulatoren in der Motorworld zu starten. »Dazu hat uns vor allem die prognostizierte Zahl an künftigen Besuchern motiviert«, sagt Beckert. »Neben vier bis fünf Flugsimulatoren wird es im Cross Check Simulation Center eine original Fliegerbar mit Terrasse und Seminarräume geben.«

Die beiden Piloten wollen nicht nur Privatkunden, die gerne einmal einen Airbus oder einen Kampfjet steuern möchten, für die virtuelle Fliegerei begeistern. Sie haben auch Angebote für Unternehmenskunden ausgearbeitet. »Mit unseren Simulatoren lassen sich auch Teamtrainings durchführen«, sagt Beckert. Zudem planen sie, Seminare gegen Flugangst sowie Human-Factor-Trainings für Führungskräfte anzubieten. »Eigentlich hätten wir schon 2018 loslegen können«, sagt Beckert. »Leider hat sich der Eröffnungstermin der Motorworld immer wieder nach hinten verschoben.«

Überraschungen im Bauprozess

Dass es bei der Wiederbelebung des industriehistorischen Standorts zu erheblichen Verzögerungen kam, bestätigt Arantxa Dörrié: »Auf die Baugenehmigung haben wir sechs Jahre gewartet. Bevor wir in der Halle selbst loslegen konnten, haben wir sie unterkellert, um eine Tiefgarage zu bauen«, erklärt sie. »Das dauerte zwei weitere Jahre.« Hinzu kamen zahlreiche Überraschungen, die beim Umbau denkmalgeschützter Immobilien niemals ganz ausgeschlossen werden können.
Auch nach der großen Eröffnungsfeier wird auf dem Areal weitergebaut: »Als Nächstes werden wir die Kulturhalle Zenith aufwerten und dort einen neuen Backstage-Bereich sowie ein Parkhaus bauen«, berichtet Dörrié. »Anschließend wird das Kesselhaus saniert – und danach das ehemalige Kantinengebäude, in dem derzeit noch unsere Büros untergebracht sind.« Die Motorworld Group hat offensichtlich noch viel vor in München.

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