Standortpolitik | Fachkräfte

Europaweit Mitarbeiter finden

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Virtuelle Jobtage – mit Bewerbern ins Gespräch kommen

Das Netzwerk EURES unterstützt Arbeitgeber bei der Suche nach passenden Fachkräften im Ausland – zum Beispiel mit den European Job Days.

SABINE HÖLPER, Ausgabe 11/2022

Fachkräfte sind rar, manche Unternehmen etwa in der Gastronomie oder im Handel müssen schon Öffnungszeiten reduzieren, weil Personal fehlt. Aber wie die offenen Stellen besetzen? Eine Möglichkeit ist, nicht nur im Umkreis, sondern europaweit nach neuen Beschäftigten zu suchen.

EURES-Berater unterstützen

Das Netzwerk EURES, eine seit 1994 bestehende europäische Kooperation von Arbeitsvermittlungen zur Förderung der Freizügigkeit von Arbeitnehmern, hilft Unternehmen dabei. EURES setzt sich dafür ein, dass europäische Bürger trotz Sprachbarrieren, kultureller Unterschiede, bürokratischer Hürden, unterschiedlicher Arbeitsgesetzgebung oder fehlender Anerkennung von Bildungsabschlüssen im Ausland arbeiten können. So erhalten Arbeitssuchende bei EURES-Beratern oder in speziellen Welcome-Centern Ratschläge zu Themen wie Arbeitssuche, Versicherungen oder Wohnungssuche. Gleichzeitig werden Unternehmen auf Fachkräftesuche durch spezielle EURES-Berater unterstützt.

Wegbegleiter Agentur für Arbeit

»In jeder Dienststelle einer Agentur für Arbeit in Bayern berät ein Experte die Firmen ausführlich«, sagt Patrizia Nitka (46), Leiterin von EURES Bayern in Nürnberg. Die Bundesagentur für Arbeit setzt die EURES-Verordnung um und fungiert in der Praxis als Wegbegleiter.

Wer also international Arbeitnehmer gewinnen will, wendet sich am besten an die zuständige Agentur für Arbeit. Dort können Unternehmen ihre Stellenangebote platzieren und angeben, dass sie eine internationale Suche wünschen. Dann wird das Stellenangebot angepasst und in das EURES-Portal eingestellt.

Tipps für lohnende Suche

Zudem geben die EURES-Spezialisten Tipps, wie Unternehmen ihre Erfolgschancen erhöhen können. Sie wissen, in welchem Land welche Arbeitnehmer zur Verfügung stehen. »In welchem Land eine Suche nach zum Beispiel Gastronomiemitarbeitern lohnend sein kann, weiß EURES durch den regelmäßigen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern«, sagt Nitka. Das Wissen, wo in der EU und in den EURES-Mitgliedsstaaten gerade mehr Bewerber als offene Stellen aus einer Branche signalisiert werden, unterstützt bei Verhandlungen zu konkreten Abkommen oder Rekrutierungsvorhaben. Ist das Verhältnis umgekehrt, wird von einer Suche abgeraten. Schließlich sollen aus anderen Arbeitsmärkten keine vor Ort dringend benötigten Mitarbeiter abgeworben werden.

European Job Day

Unternehmen, die noch aktiver Mitarbeiter für sich gewinnen wollen, können am European Job Day, kurz EJD, teilnehmen (siehe IHK-Veranstaltungstipp im Kasten unten). Das virtuelle Event, das in Bayern bis zu viermal jährlich stattfindet, gibt es in Deutschland bereits seit 2015. Der kommende EJD ist der erste, den die IHK für München und Oberbayern als Kooperationspartner unterstützt und der den Fokus auf bayerische Unternehmen und alle Branchen richtet. Die Aussichten, dort geeignete Bewerber zu finden, seien sehr gut, sagt Nitka. Das belegten die Erfolge vergangener Jobtage.

Registrierung im Vorfeld

Die Teilnahme am EJD ist für Arbeitgeber kostenlos. Um ihre Chancen zu erhöhen, sollten Firmen aber einige Hinweise beachten. »Am besten registrieren sich Unternehmen bereits zwei Wochen vorher auf der Plattform und stellen ihre Jobangebote ein«, rät Nitka. Denn auch die Arbeitssuchenden melden sich in der Regel im Vorfeld an. Sie können dann bereits die Jobangebote einsehen und die für sie interessantesten herausfiltern. Am Tag der virtuellen Jobbörse selbst können die Firmen die Bewerbungsunterlagen und Lebensläufe der Arbeitssuchenden sichten und mit den Kandidaten, die infrage kommen, per Chat in Kontakt treten.

Austausch auch danach möglich

Auch Jobsuchende können einen Chat anmelden. In der Regel werden rund 15 Minuten pro Gespräch eingeplant. Zudem können sich Firmen in einem Stream live präsentieren. Im Nachgang ist über die Plattform noch bis zu sechs Wochen ein Austausch zwischen den gemeldeten Arbeitgebern und den Arbeitssuchenden möglich. »Mit etwas Glück resultiert daraus schon im Zuge der Veranstaltung ein sich anbahnendes Anstellungsverhältnis«, sagt EURES-Spezialistin Nitka.

IHK-Veranstaltungstipp: European Job Day

Der European Job Day (EJD) ermöglicht es Arbeitgebern, unkompliziert Fachkräfte aus ganz Europa kennenzulernen und das eigene Unternehmen zu präsentieren. Unternehmen und Arbeitssuchende können auf der virtuellen Jobbörse via Chat gleich direkt miteinander in Kontakt treten.

Termin: 29. November 2022, online Die Teilnahme ist kostenfrei.

Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.europeanjobdays.eu

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