Betrieb + Praxis | Fachkräfte

Schneller im Team

Prostock-studio/Adobe Stock ©
Fachkräfte aus Drittstaaten – Einstieg beschleunigt

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz erleichtert es Unternehmen, beruflich qualifizierte Mitarbeiter aus Nicht-EU-Ländern einzustellen. Die neue Zentrale Stelle für die Einwanderung von Fachkräften vereinfacht das Verfahren nun weiter.

Sabine Hölper, Ausgabe 04/2021

Der Gastronom und Gewürzhändler Alfons Schuhbeck beschäftigt rund 130 Mitarbeiter. Knapp 40 davon stammen aus dem europäischen Ausland, fast 20 aus Drittstaaten. Personalleiter Christian Lötzsch kennt sich daher gut aus mit dem Anwerbe- und Eingliederungsverfahren internationaler Mitarbeiter. »Die Anwerbung ist von unserer Seite unkompliziert«, sagt er. Arbeitsvisa zu erhalten, dauere hingegen manchmal sehr lange. Sein Wunsch: »Einstellungsverfahren sollten schneller abgearbeitet werden.« Im vergangenen Jahr ist dieses Ziel nun ein gutes Stück näher gerückt.

Neue Servicestelle für Unternehmen

Im März 2020 trat das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft. Vor allem das beschleunigte Fachkräfteverfahren ermöglicht seither die schnellere Anerkennung der im Ausland erworbenen Qualifikationen sowie die schnellere Abwicklung von Visaverfahren. Am 1. Dezember 2020 hat zudem die Zentrale Stelle für die Einwanderung von Fachkräften (ZSEF) ihre Arbeit aufgenommen. »Damit erweitert der Freistaat sein Serviceangebot für die bayerische Wirtschaft«, sagt ZSEF-Leiter Klaus Speckner. (Mehr im Interview unten.)

Denn die Zentrale Stelle ist ein zusätzlicher Ansprechpartner für beratungssuchende Arbeitgeber. Das heißt: Die Firmen haben die Wahl, ob sie sich weiterhin an die Ausländerbehörde vor Ort oder aber an die ZSEF wenden.

Wanderung von Fachkräften als Normalität

Schuhbeck-Mitarbeiter Lötzsch hofft, dass damit die Einstellung von ausländischen Fachkräften einfacher wird. Schließlich stellt das Unternehmen seit vielen Jahren Leute aus der ganzen Welt ein, weil sie wertvolle Erfahrungen und Fähigkeiten aus ihren Heimatländern mitbringen, etwa das Zubereiten besonderer Spezialitäten. Sie bereichern mit ihrem Wissen das Unternehmen »und gestalten somit das Angebot für unsere Gäste nachhaltig«, sagt der Personaler. Für ihn ist die Wanderung von Fachkräften in der heutigen Zeit Normalität, »unabhängig in welche Richtung«. Da sollten behördliche Prüfungen, so wichtig diese auch seien, nicht zu »zäh« ablaufen, sondern entbürokratisiert werden.

Genau das verspricht die neue, als Außenstelle der Regierung von Mittelfranken eröffnete Zentrale Stelle für die Einwanderung von Fachkräften. Insbesondere für überregional aufgestellte Arbeitgeber und solche mit einem hohen Bedarf an Fachkräften aus dem Ausland sei sie ein Gewinn, so Speckner: »In Bereichen, in denen eine Vielzahl von vergleichbaren Fragestellungen zu erwarten ist, bietet die Stelle als zentraler Ansprechpartner einen Mehrwert, wenn es zum Beispiel darum geht, gezielt ausländische Fachkräfte anzuwerben. In diesen Fällen kann die ZSEF koordinieren und bündeln und damit helfen, ausländerrechtliche Verfahren rasch und erfolgreich abzuwickeln.«

Software-Ingenieur aus Indien

Kleine und mittlere Unternehmen, die bislang noch keine Erfahrungen mit der Fachkräfteeinwanderung haben, aber die Chancen des neuen Gesetzes nutzen wollen, profitieren laut Speckner ebenso von der neuen Organisation: »Ihnen eröffnet die Zentrale Stelle eine weitere Möglichkeit, sich von einem leistungsfähigen Ansprechpartner beraten zu lassen.« Die esc Aerospace GmbH in Taufkirchen hat den Service bereits erprobt. Anfang des Jahres entschied sich das Luft- und Raumfahrtunternehmen erstmals für einen Mitarbeiter aus einem Drittstaat und stellte einen Software-Ingenieur aus Indien ein.

Regina Klute, Assistentin der Geschäftsführung, wandte sich nach einem Hinweis durch die IHK an die Zentrale Stelle – mit Erfolg: »Die Anträge wurden zügig bearbeitet«, sagt Klute zufrieden. »Die Unterlagen wurden nach Indien geschickt, der Mitarbeiter in spe ging zur Botschaft in seiner Heimat, bekam das Visum. Fertig.«

IHK-Service, Experten-Interview: »So serviceorientiert wie möglich«

Klaus Speckner (53), Leiter der Zentralen Stelle für die Einwanderung von Fachkräften (ZSEF), über Aufgaben und Vorteile der neuen Anlaufstelle für Unternehmen.

Warum wurde die Zentrale Stelle ins Leben gerufen?

Die Einwanderung von Fachkräften ist eines der zentralen Themen der Gegenwart und Zukunft, denn die Zuwanderung internationaler Fachkräfte leistet einen wesentlichen Beitrag zu Wachstum und Wohlstand
in unserem Land. Oberste Prämisse der ZSEF ist es, die Fachkräfteeinwanderung für Arbeitgeber so serviceorientiert wie möglich zu gestalten. Mit der Entscheidung für die Einrichtung der Zentralen
Stelle bei fortwährender Möglichkeit jedes Arbeitgebers, sich an die örtliche Ausländerbehörde
zu wenden, hat der Freistaat die hohen Erwartungen der Wirtschaft an das Fachkräfteeinwanderungsgesetz im Allgemeinen und die erwartete Beschleunigung und Vereinfachung der Verfahren durch eine Zentralisierung im Besonderen berücksichtigt.

Warum wurde Nürnberg der Standort?
Dadurch wurde ein leistungsfähiges Cluster für die Fachkräftezuwanderung geschaffen. Dort befindet sich mit der IHK Foreign Skills Approval (IHK-FOSA) die zentrale deutschlandweite Anerkennungsstelle
für die Berufe der Industrie- und Handelskammer. Daneben ist in Nürnberg mit der Bundesagentur für Arbeit
ein weiterer Akteur, der für die Fachkräftezuwanderung von herausgehobener Bedeutung ist. Schließlich ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg zu erwähnen, das für Teilaspekte
der Fachkräftezuwanderung ebenfalls Zuständigkeiten besitzt.

Wie sind Ihre Erfahrungen nach den ersten Wochen?

Das Angebot der Zentralen Stelle für die Einwanderung von Fachkräften kommt vor Ort bei Arbeitgebern und Ausländerbehörden gut an und wird gern in Anspruch genommen. Die Arbeitgeber sind sehr offen für das Angebot der Zentralen Stelle. Des Weiteren verweisen zahlreiche örtliche Ausländerbehörden die Arbeitgeber direkt an die Zentrale Stelle.

Trotz der aktuellen Pandemie-Situation konnten wir eine Vielzahl von Beratungsgesprächen mit Arbeitgebern aus ganz Bayern führen. Wir haben zahlreichen ausländischen Fachkräften ermöglicht,
innerhalb relativ kurzer Zeit nach Deutschland einzureisen.

Weitere Informationen der Zentralen Stelle für die Einwanderung von Fachkräften hier sowie unter der sowie Hotline: 0911 2352-211

Verwandte Themen