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Zukunftssicher und klimaschonend

Auer Packaging GmbH ©
Beheizt vier Gewerbegebäude zu 90 Prozent mit einer Kraft-Wärme-Kälteanlage – Auer Packaging in Amerang

Logistik-, Industrie- und anderen Gewerbebauten bergen reichlich Potenzial für mehr Energieeffizienz.  Moderne Technik erzielt deutlich spürbare Verbesserungen.

Ausgabe 05/2020, Josef Stelzer

Heiko Wöhrle (43), Teamleiter im Ingenieurbüro Hausladen GmbH, Kirchheim, ist überzeugt: »Energieeinsparungen und möglichst geringe Emissionen werden auch im Gewerbebau noch attraktiver, zumal die Energiepreise mit Sicherheit wieder ansteigen und die CO₂-Bepreisung kommen wird.« Bauherren und Nutzer von Gewerbebauten legen immer größeren Wert auf Effizienz und Nachhaltigkeit. Es geht ihnen um einen bewussten und sparsamen Einsatz der vorhandenen Ressourcen, sie wollen Einsparmöglichkeiten erkennen und realisieren.

Um Einsparpotenziale auszuschöpfen, ist nach Wöhrles Einschätzung ein integrales Energiekonzept unumgänglich, das die »Belange der einzelnen Planungsdisziplinen Architektur, Tragwerk, Haustechnik und Bauphysik berücksichtigt«. Das Spektrum reicht hier von einer energieeffizienten Temperierung im Sommer über einen optimierten Wärmeschutz in der kalten Jahreszeit bis zum Einsatz regenerativer Energiequellen und Eigenstromerzeugung mit Photovoltaikanlagen.

Welche Möglichkeiten es dabei gibt, zeigt das Beispiel Klimatisierung: Um im Sommer die Überhitzungsgefahr in Bürogebäuden zu reduzieren, wählen Bauherren und Planer für die Fenster mitunter schaltbare Gläser, die sich je nach Sonneneinstrahlung steuern lassen. Durch eine geringe elektrische Spannung färbt sich das Glas bei Bedarf ein: Je dunkler die Fensterflächen werden, desto weniger Sonneneinstrahlung und Wärmeeintrag kommen ins Gebäude. »Tageslichtdurchgang und Hitzeschutz lassen sich damit im Tagesverlauf je nach Jahreszeit und Wetter optimal austarieren«, erklärt Ingenieur Wöhrle. Smarte Gläser sind in der Anschaffung zwar teurer als übliche Bürofenster. Aber durch den geringeren Wärmeeintrag im Sommer sinken die Kosten für die Klimatisierung der Büroräume.

Frühzeitige Simulation lange vor Baubeginn

Ein Hausladen-Projekt in Berlin zeigt die Einsatzmöglichkeiten von Holz. Das neue Gebäude der Flexim Flexible Industriemesstechnik GmbH ist als Holz-Beton-Hybridbau konzipiert, wobei das Untergeschoss sowie die innere Skelett-Tragkonstruktion aus Stahlbeton bestehen. Für die Geschossdecken kamen Holz-Beton-Verbundelemente zum Einsatz, im dritten Obergeschoss bestehen auch tragende Bauteile aus Holz. Die natürliche Belüftung des Gebäudes erfolgt über Querluftöffnungen, die Wärmeversorgung zu 80 Prozent über kommunale Abwasserwärme. Um den Effekt und die Wechselwirkung der Maßnahmen im gesamten Gebäude abschätzen zu können, ist es bei Neubauplanungen und Gebäudesanierungen hilfreich, schon frühzeitig Simulationstechniken einzusetzen. Mithilfe von Software lässt sich lange vor dem ersten Spatenstich das thermische Verhalten eines Gebäudes oder einzelner Teile davon prognostizieren. Planer und Bauherren können auf diese Weise einzelne Aspekte wie die technische Gebäudeausrüstung, die verwendeten Baustoffe und die Wärmedämmung aufeinander abstimmen und ihr Bauvorhaben durch gezielte Planungsänderungen am Computer auf Energieeffizienz trimmen.

Stimmt die Raumtemperatur?

In die Simulation fließen alle relevanten Faktoren ein wie beispielsweise Wetterdaten, Verschattung, Fassaden, Baustoffe, Lüftung, Heiz- und Kühlsystem. Untersucht werden Aspekte wie: Sind die Raumtemperaturen und die Luftfeuchtigkeit behaglich? Wie groß ist der Energiebedarf für Beleuchtung, Heizung und Kühlung? »Eingesetzt haben wir thermische Simulationen beispielsweise beim Neubau eines Terminalgebäudes für den Flughafen München sowie für die Planung eines Wohn- und Geschäftsgebäudes auf dem Gelände der ehemaligen Pflugfabrik in Landsberg am Lech«, berichtet Hausladen-Ingenieur Wöhrle. »Eine hohe Energieeffizienz mit möglichst geringen CO₂-Emissionen ist in der Regel bedeutsam, wenn die Gebäude von ihren Eigentümern selbst genutzt werden oder wenn sich internationale Investoren mit langfristigen Renditeerwartungen an einem Immobilieninvestment beteiligen«, beobachtet Steffen Overath (48), der beim Immobilienberatungsunternehmen Colliers Deutschland GmbH im Bereich Industrial & Logistics für Bayern zuständig ist.

Standortentscheidung: Schnelle Datenübertragung inklusive?

In den übrigen Fällen stehen bei Industrie- und Gewerbeflächen Nachhaltigkeitsüberlegungen dagegen nicht immer im Vordergrund. Auf dem Mietmarkt in der Region München zum Beispiel wird aller Voraussicht nach das Angebot an Industrie- und Logistikflächen knapp bleiben. »Freie Flächen werden bisher meist sehr schnell weitervermietet, ohne überhaupt dem Markt zur Verfügung gestanden zu haben«, stellt der Immobilienexperte fest. »Dabei erzielen die Bestandsbauten, die häufig noch aus den 1970er- und 1980er-Jahren stammen, bei der Weitervermietung in manchen Fällen ähnlich hohe Mieten wie die wenigen Neubauten.« Wer nur die wirtschaftliche Seite betrachtet und langfristige Aspekte und den Klimaschutz außer Acht lässt, mag daher als Vermieter von Bestandsbauten bislang nur wenig Notwendigkeit erkennen, deren Energieeffizienz etwa bei Heizung und Klimatisierung zu verbessern. Schließlich können effizienzbewusste Mieter oft nicht so einfach ausweichen. Aufgrund der hohen Mieten und des knappen Flächenangebots in der Region München suchen zwar viele Unternehmen auch in weiter entfernten Landkreisen nach Gewerbeflächen. »Weil viele Betriebe die Digitalisierung ihrer betrieblichen Abläufe schon stark vorangetrieben haben, benötigen sie jedoch unbedingt eine breitbandige Infrastruktur mit Glasfasernetzen«, sagt Immobilienexperte Overath. »Moderne Netze für die schnelle und zuverlässige Datenübertragung sind aber längst nicht in jeder Region verfügbar.«

Heizkosten und Kohlendioxid vermeiden

Viele Mittelständler, die ihre Gebäude selbst gestalten können, machen indes gute Erfahrungen mit effizienter Gebäudetechnik – so wie die Auer Packaging GmbH. Das Unternehmen ist auf die Produktion sowie den Vertrieb von Mehrwegtransport- und Lagerbehältern aus Kunststoff spezialisiert. Der jährliche Stromverbrauch des oberbayerischen Unternehmens liegt bei mehr als fünf Gigawattstunden und ist vergleichbar mit dem Verbrauch von rund 2.000 Privathaushalten. Das Unternehmen beheizt seine vier Gewerbegebäude am Firmensitz in Amerang im Landkreis Rosenheim zu 90 Prozent mit einer sogenannten Kraft-Wärme-Kälteanlage. »Die benötigte Wärme entsteht quasi als Abfallprodukt bei der Kühlung unserer Spritzgussanlagen, die wir für die Kunststoffproduktion einsetzen«, erklärt Sergej Andert (31), Produktionsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung. Die Maschinen erzeugen derart viel Wärme, »dass wir fast keine zusätzliche Heizung benötigen«. Zudem wird eine neue, zehn Meter hohe Logistikhalle mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet. »Wir erwarten, dass die Anlage auf dem 6.000 Quadratmeter großen Flachdach pro Jahr rund 600.000 Kilowattstunden Strom erzeugt, sodass wir im Vergleich zum Strombezug aus herkömmlichen Quellen 440 Tonnen Kohlendioxid einsparen werden«, so Andert. Die Aufwendungen für die Anlage in Höhe von rund 730.000 Euro dürften sich bis 2028 amortisiert haben, weil das Unternehmen weniger Strom einkaufen muss.

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