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Wirtschaftszweig mit Zukunft

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Weit vernetzt und stark gewachsen – die Gesundheitswirtschaft in Bayern

Mit Covid-19 rückt die Gesundheits- und Pflegewirtschaft in den Mittelpunkt, die bereits vor der Pandemie ein herausragender Beschäftigungs- und Wirtschaftsfaktor in Bayern war. Die Akteure zeigen nun eindrucksvoll, was sie leisten können.

Eva Elisabeth Ernst, Ausgabe 07/20

Testkits, Notfallbetten, Schutzmasken, Medikamente und ein Impfstoff: Kaum jemals zuvor standen Themen der Gesundheitswirtschaft und damit die gesamte Branche derart im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit wie in den vergangenen Monaten. Und selbst wenn wir heute zumindest eine etwas deutlichere Vorstellung davon haben, wie viele verschiedene Akteure für unsere Gesundheit zusammenarbeiten, überrascht die hohe gesamtwirtschaftliche Bedeutung dieses Sektors. Denn die Gesundheits- und Pflegewirtschaft ist einer der stärksten und zukunftsträchtigsten Wirtschaftszweige im Freistaat. Das zeigt eine im März dieses Jahres veröffentlichte Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts WifOR im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege. Danach entsteht hier etwa jeder zehnte Euro der bayerischen Wirtschaftskraft.

Mehr zur Wirtschaftskraft der Branche und Firmenbeispiele hier.

Stärkeres Wachstum als die bayerische Gesamtwirtschaft

Mit rund 1,2 Millionen Erwerbstätigen sichert die Branche jeden sechsten Arbeitsplatz im Freistaat. Im Vergleich zur bayerischen Automobilindustrie generierte die Gesundheits- und Pflegewirtschaft im Jahr 2017, das die Datenbasis der Studie bildete, rund 14 Milliarden Euro mehr an Bruttowertschöpfung und beschäftigte die vierfache Zahl an Erwerbstätigen. Im untersuchten Zeitraum seit 2008 wuchs die Gesundheits- und Pflegewirtschaft im Durchschnitt stärker als die bayerische Gesamtwirtschaft – das gilt sowohl für die Bruttowertschöpfung als auch für die Zahl der Erwerbstätigen und die Exporte.

Unterschätzte Branche

Damit entwickelte sich die Branche zum krisenresistenten Wachstumsmotor für den Wirtschaftsstandort Bayern. Die Bedeutung wird aufgrund der demografischen Entwicklung in Zukunft noch steigen. Dass das wirtschaftliche Gewicht dieses Sektors bislang eher unterschätzt wurde, mag auch an der Heterogenität der Branche liegen. So werden unter dem Dach der Gesundheits- und Pflegewirtschaft vielfältige gesundheitsrelevante Produkte und Dienstleistungen zusammengefasst, die drei Bereichen zugeordnet werden:

  • die medizinische und pflegerische Versorgung, zu der unter anderem Krankenhäuser, Arzt- und Zahnarztpraxen, Pflege- sowie Vorsorge- und Reha-Einrichtungen zählen; sie stellt mit einem Anteil von 51,5 Prozent an der Wertschöpfung der Branche den größten Teilbereich dar.
  • der industrielle Bereich der Gesundheits-und Pflegewirtschaft, zu dem Hersteller von Arzneimitteln, Medizintechnik, Sportund Fitnessgeräten sowie Hygiene- und Pflegeprodukten gerechnet werden, mit 22,5 Prozent der Wertschöpfung.
  • der Teilbereich der Gesundheits- und Pflegewirtschaft mit Krankenversicherungen und öffentlicher Verwaltung, Apotheken, Ausbildungsstätten für Gesundheitsberufe sowie Sport-, Wellness- und Tourismusdienstleistungen mit Gesundheitsbezug (26,0 Prozent der Wertschöpfung).

Die Covid-19-Pandemie wirbelte natürlich gerade in dieser Branche einiges durcheinander. Wie Beispiele zeigen, führte sie nicht nur in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Arztpraxen und Pharmaunternehmen zu rasanten Veränderungen, sondern auch in anderen Unternehmen und Organisationen der Gesundheitswirtschaft...

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